"Hier müssen wir was tun!"

Vor zehn Jahren haben Nilgün Tasman und Ulrich Scholpp zum ersten Mal zu „Tischlein deck’ dich“ eingeladen. Mittlerweile haben die beiden mit ihren Benefizabenden insgesamt rund 80.000 Euro für die Vesperkirche gesammelt. Und das Tolle: am Ende gehen alle beschenkt nach Hause.

Nilgün Tasman überreicht Gabriele Ehrmann den mit Spenden gefüllten Suppentopf

© Monika Johna

Nilgün Tasman (links) und Diakoniepfarrerin Gabriele Ehrmann

Roland Baisch kommt aus Korntal. Und er hatte denselben Englischlehrer wie unser einstiger Landesvater Günther Oettinger. Das erklärt vielleicht so manches. Es lässt sich dank dieser Tatsache auf jeden Fall herrlich näseln. Der graue Star, er läutete den Showteil des Abends ein, und das Warming up gelang ihm mühelos. Die Erkenntnisse von dem Mann mit der Gitarre kamen per Countrystyle so lässig rüber, dass selbst so schwierige Themen wie Alter oder Geld gar kein Problem mehr darstellten. Alles halb so wild aber mindestens doppelt so lustig.
Zum Jubiläum sprach auch Landtagspräsidentin Muhterem Aras, sie drückte ihre Bewunderung für dieses Benefizprojekt aus. "Armut kann jeden von uns treffen", sagte sie und appellierte mit Blick auf die Wohnungsnot an jeden Einzelnen, sich für das Gemeinwohl verantwortlich zu fühlen: "Eigentum verpflichtet."

Nilgün Tasman blickte zurück und erzählte, wie das Tischlein deck’ dich entstanden ist. „Für mich war schnell klar, hier müssen wir was tun!“, erinnerte sie sich an die ersten Eindrücke von der Vesperkirche. Also entschied sie, zu helfen, indem sie das tat, was sie am besten kann. Andere Menschen für ihre Projekte gewinnen, Kontakte knüpfen, organisieren. Seitdem gibt es „Tischlein deck’ dich“, das Benefizessen mit Programm, immer während der Vesperkirchenzeit an einem Abend in der Leonhardskirche.
Die Gäste bezahlen Eintritt und während des Abends lässt Nilgün Tasman den Suppentopf kreisen, in den dann jeder noch einen Geldbetrag einlegen kann. Die Künstler verzichten auf eine Gage, und der gesamte Erlös der Veranstaltung kommt schließlich der Vesperkirche zugute. Es waren aber nicht nur diejenigen da, die es sich leisten können. Auch das Putzteam, ein paar Gäste der Vesperkirche und die Mitwirkenden von „rahmenlos & frei“ saßen in den Reihen. Grund zur Freude gab es dann, als man schließlich in den Suppentopf geguckt hatte: nachdem alles ausgezählt war, konnte Nilgün Tasman an Diakoniepfarrerin Gabriele Ehrmann 9.505 Euro überreichen. „Es ist ganz toll, diese Solidarität von Ihnen zu spüren“, sagte Gabriele Ehrmann und bedankte sich im Namen der Vesperkirche herzlich bei den Gästen.


„rahmenlos & frei“, die Band der Vesperkirche, sorgte an diesem Abend wieder einmal für den Funken, der mühelos übersprang, so dass das Publikum engagiert mitsang.
Und wer bis dahin noch nicht begeistert war, den verzauberte schließlich Thorsten Strotmann, der Magier, der mit seiner Bauchrednernummer die Lachmuskeln ziemlich strapazierte. Ganz leicht und locker zauberte er Bälle hierhin und dorthin, brachte seine Zuschauer mit verblüffenden Rechenspielereien zum Knobeln und garnierte jede Zauberei mit Gags, die einfach nur Spaß machten. Strahlende Gesichter am Ende, wie im Flug war die Zeit vergangen. Für die einen eine schöne Veranstaltung, bei der sie mehr zum Thema Armut erfahren und spüren konnten, für die anderen eine wohltuende Auszeit, während der die Alltagssorgen, die Armut mit sich bringt, mal Pause hatten. Für alle ein gelungener Abend.


09-02-2018

Autor/Autorin: Monika Johna