Zeit für die Vesperkirche muss sein

Jedes Jahr kommt Stefan Kaufmann und hilft in der Vesperkirche, und auch dieses Jahr ließ er sich das nicht nehmen. Mit dem Rollkoffer im Schlepptau trat der Bundestagsabgeordnete seine Schicht an.

© Monika Johna

Teller entgegennehmen, von den Essensresten befreien, in die entsprechenden Kisten stapeln und freundlich lächeln. Das sieht schon ganz routiniert aus. Stefan Kaufmann war schon so oft in der Vesperkirche zum Helfen, dass er eigentlich alle Stationen kennt – mit Ausnahme der Geschirrrückgabe.
Hier ist er heute eingeteilt, kann also als Routinier doch noch was dazulernen - und gleich Karriere machen: Weil die zuständige Verantwortliche ausfiel, durfte er unvermittelt aufsteigen zum Leiter der Geschirrrückgabe. Was das heißt? Auf jeden Fall mal den Überblick bewahren. Sind noch genügend leere Kisten da? Wissen alle, was sie zu tun haben? Stefan Kaufmann jedenfalls weiß es. „Es ist immer wieder gut, sich zu erden, indem ich hier mit dem Thema Armut unmittelbar konfrontiert bin. Die politischen Themen bekommen dann ein Gesicht“, sagt der Politiker, während er Saucenreste und Papierservietten von einem Teller in die Mülltonne schiebt. Außerdem sei es ihm ein Anliegen, durch seinen Besuch seine Wertschätzung auszudrücken, gegenüber all den Helferinnen und Helfern und gegenüber der Vesperkirche.
Er selbst arbeitet am liebsten an der Essensausgabe oder im Gästeservice, denn da habe man Kontakt zu den Leuten. Nach dem heutigen Arbeitseinsatz geht es direkt von der Vesperkirche weiter nach Berlin. Zuvor war er von einem Termin zum anderen quer durch Europa unterwegs. Aber so voll der Kalender auch sein mag - die Zeit für die Vesperkirche muss sein. Natürlich ist auch der Einsatz im nächsten Jahr bereits fest eingeplant – „meine Büromitarbeitenden machen das automatisch. Keine Frage, ich komme wieder und helfe mit - ganz egal in welcher Funktion und an welcher Stelle.“

Autorin: Monika Johna