Eine Kerze für jeden Verstorbenen

Zum Gedenken an diejenigen, die im vergangenen Jahr verstorben sind und mit denen wir als Freundin, Bekannter oder Verwandte verbunden sind, die wir vermissen und die zu unserer Vesperkirchengemeinschaft gehören, haben wir in der Leonhardskirche eine Gedenkandacht gefeiert.

© Monika Johna

„Der Tod ist ein Rätsel und ein Geheimnis. Der Tod ist eine Aufgabe“, sagte Diakoniepfarrerin Gabriele Ehrmann in ihrer Predigt. Viel Raum und Ruhe gab es in diesem Gottesdienst. Raum für die Trauer über den Tod eines nahestehenden, geliebten Menschen und auch Raum für die Furcht vor dem eigenen Tod. Vieles von dem, was die trauernden Menschen bedrückt und bewegt, sprachen die Diakoniepfarrerin, der Diakon Elmar Bruker und die Diakonin Cornelia Götz stellvertretend aus. Sieben Namen las Cornelia Götz vor, während im Turm der Leonhardskirche die Kirchenglocken hallten. Nach jedem Namen wurde eine Kerze entzündet. „Von diesen Menschen wissen wir, dass sie im vergangenen Jahr verstorben sind“, sagte Cornelia Götz. Eine achte Kerze stand für all diejenigen, die nicht genannt worden waren, weil man von ihrem Tod nicht wusste, für all diejenigen, die einem Gast oder Mitarbeitenden nahe standen und die bei ihren Mitmenschen eine schmerzliche Leere hinterließen. Ein Gast der Vesperkirche schreibt Gedichte. Zwei von ihnen, das Gedicht „atem“ und das Gedicht „was mich tröstet“, las Cornelia Götz vor. Schließlich konnte jeder, der wollte, auch noch ein Teelicht entzünden und symbolisch auf die Reise schicken, indem er es in einem blumengeschmückten Bassin zu Wasser ließ. Ein Besucher der Vesperkirche hatte während der Woche vor dem Gedenkgottesdienst aus Alufolie eine Plastik geschaffen. Zwei Hände halten zwischen sich geborgen eine Blüte, die Blüte des Lebens. „Geborgen ist mein Leben in Gott“ heißt es in Psalm 31, den die vielen Gottesdienstbesucher gemeinsam lasen. Gabriele Ehrmann schenkte einen Ausblick auf das, was nach dem Tod kommt. Sie malte das Bild einer Raupe, die sich, wenn die Zeit gekommen ist, aus ihrem Kokon befreit und zum Schmetterling wird. Der Tod sei nicht das Ende, sondern Verwandlung, „Gott wird bei uns sein, Gott ruft uns zu sich in sein Reich des Lebens.“

 

atem

nicht mehr länger zögern damit
den traum zu leben
der allen menschen von gott zugedacht ist
ohne vorbehalt
ohne grenzen
und ohne jede bedingung

nicht mehr länger stumme tränen vergießen
nicht mehr länger
in den tiefen wunden des herzens verharren
sondern heilsamen tränen freien lauf lassen
unter den zärtlichen händen anderer menschen
die gegenseitig füreinander da sind
bedingungslos und ohne vorbehalt

und gemeinsam weinen dürfen
bis alles gut ist
bis eine klare und tiefe kraft wächst
bis unter den wunden das kostbare reift

ich will dem lichten traum glauben schenken
so sind wir von gott gewollt
so sind wir füreinander bestimmt
so wird agape letzte kostbare realität

7.1.2018 Stefan Frank

 

17-02-2018

Autor/Autorin: Monika Johna