Teilen und Beteiligung

Während Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle am Brottisch Brote geschmiert und über Bürgerbeteiligung diskutiert hat, schenkte Landtagspräsidentin Muhterem Arras Tasse um Tasse Kaffee aus. Bundestagsabgeordneter Cem Özdemir schöpfte derweil Salat auf die Teller und Stadtrat Björn Peterhoff stand am Brotkorb. Grünen-Politiker im Einsatz in der Vesperkirche.

© Monika Johna

Nudeln, dann Fleisch und Soße, und dann folgt der Salat. „Guten Appetit!“ wünscht Cem Özdemir mit freundlichem Lächeln dem Herrn, dem er den Teller überreicht. Dann geht es schon weiter. Es läuft wie am Schnürchen an der Essensausgabe. Kein Wunder, der Grünen-Politiker nimmt sich jedes Jahr Zeit, um in der Vesperkirche mitzuhelfen. Er weiß also, was zu tun ist.
Veronika Kienzle am Brottisch nutzt ihre Zeit, um sich mit ihrem Nachbarn über Partizipation und Bürgerbeteiligung auszutauschen. „Da kann man gut nebenbei mal ein Thema vertiefen“, sagt die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte. Die Vesperkirche sei beispielhaft für neue Entwicklungen, denn hier, in der Vesperkirche, wirkten viele Menschen mit, die sonst in der Kirche nicht aktiv seien. „Kirchen sind ein guter Ort der Beteiligung und Begegnung. Es braucht einen neuen Ansatz, was Kirche in der Gesellschaft ist, das geht über den Gottesdienst hinaus“, findet sie.
Etliche Gäste erkennen Muhterem Aras an der Kaffeetheke und sprechen sie auch an. „Die Leute hier sind ganz unerschrocken, und das finde ich gut“, sagt die Landtagspräsidentin. Sie komme gerne jedes Jahr hierher, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und die Vesperkirche zu unterstützen. „Die Vesperkirche ist eine gute Einrichtung. Aber eigentlich wünsche ich mir, dass wir keine Vesperkirche brauchen. Es wäre besser, wir hätten sie nicht nötig.“
Für Cem Özdemir ist es selbstverständlich, dass er jedes Jahr, wenn in Berlin sitzungsfreie Woche ist, zum Helfen in die Vesperkirche kommt. „Mir begegnen hier Menschen, die nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen, Einzelschicksale, die nicht die Chance hatten, ihr Potential auszuschöpfen. Das macht mich gegenüber meinem eigenen Leben demütig“, sagt der in Bad Urach geborene Bundestagsabgeordnete. Das „Haben“ im Leben sei eine Verpflichtung zum Geben.

25-02-2018

Autor/Autorin: Monika Johna