Hier hat es Platz für alle

Zum Abschluss der Vesperkirche haben die Verantwortlichen in der letzten Vesperkirchenwoche bei einer Pressekonferenz Bilanz gezogen.

Hier hat es Platz für alle

© Monika Johna

Rund 30.000 Essen haben die Mitarbeitenden der Stuttgarter Vesperkirche in dieser Saison bis dato an ihre Gäste ausgegeben. Am kommenden Samstag wird die 23. Stuttgarter Vesperkirche zum letzten Mal ihre Pforten öffnen.

„Damit geht für mich ein erster Höhepunkt dieses Jahres zu Ende“, sagt Klaus Käpplinger, Dekan für Diakonie im Kirchenkreis Stuttgart. Er habe die Vesperkirche als einen Ort erlebt, an dem Menschen gemeinsam ihren Glauben lebten, an dem Menschen so willkommen seien, wie das Leben sie geformt habe und als einen Ort, an dem Ehren- und Hauptamtliche gemeinsam für andere da seien, so der Dekan weiter.

Eine Tonne Wurst, eineinhalb Kubikmeter Milch, eine halbe Tonne Zucker, einhundert Dosen Süßstoff und 800 Kilogramm Kaffee wurden in der Vesperkirche verbraucht. „Das entspricht in etwa den Zahlen des Vorjahres“, sagt Kurt Klöpfer, der geschäftsführende Diakon. 260 000 Euro waren nötig, um die Kirchentüren sieben Wochen lang von morgens um neun Uhr an bis nachmittags um 16.15 Uhr für alle Gäste offen zu halten und dafür zu sorgen, dass jeder Besucher gestärkt mit einer warmen Mahlzeit, einem Vesperbrotbeutel und vielleicht dem ein oder anderen guten Wort wieder nach Hause oder auf die Straße zurückkehren konnte. Das Geld setzt sich allein aus Spenden zusammen. Insgesamt sei es eine sehr harmonische und friedliche Vesperkirchensaison gewesen, so der Diakon weiter.

Elf Hauptamtliche und 800 ehrenamtliche Helfende engagierten sich zwischen Januar und März in der Vesperkirche. Hermann Kieß arbeitet als einer der verantwortlichen Ehrenamtlichen seit fünfzehn Jahren in der Vesperkirche mit. „Die Vertrautheit zwischen Ehren- und Hauptamtlichen wächst von Jahr zu Jahr, es ist ein sehr gutes Miteinander gewesen“ sagt er.

„Es war eine ausgesprochen friedliche Vesperkirche“, bilanziert Diakon Kurt Klöpfer. Aufgefallen sei in diesem Jahr, dass mehr arme ältere Menschen in die Vesperkirche gekommen sind. „Die Zahl der Rollatoren hier in der Kirche hat deutlich zugenommen.“

„Die Vesperkirche ist eingebettet in des Stuttgarter Hilfesystem, das es unter dem ganzen Jahr in der Stadt gibt, das ist uns sehr wichtig“, betont Klaus Käpplinger. Deshalb arbeiteten Mitarbeitende aus den Kreisdiakoniestellen und die Ehrenamtskoordinatorinnen in der diakonischen Flüchtlingsarbeit auch mit in der Vesperkirche.

Der Abstand zwischen den Armen und dem Rest der Bevölkerung werde immer größer. Diese Armen erführen nur ganz selten, dass sie angenommen sind. „So gesehen ist die Vesperkirche nur ein Tropfen auf einem ganz heißen Stein. Aber ein Tropfen, der wahrgenommen wird“, betont Klaus Käpplinger. „Unabhängig vom Geldbeutel, von der Herkunft und von der sexuellen Orientierung gilt: Hier muss Platz sein für alle“, so der Diakoniedekan.

Am Samstag nun wird man sich ein letztes Mal miteinander an die Tische unter dem Dach der Leonhardskirche setzen. Dann wird der letzte Vesperkirchentag mit einem gemeinsamen Gottesdienst ausklingen.

28-02-2017

Autor/Autorin: Monika Johna