31.03.09

Die Vesperkirche: Teil des kirchlich-diakonischen und sozialen Netzes in Stuttgart

Die Dekanin für Diakonie Wiebke Wähling und Diakoniepfarrerin Karin Ott begegnen in einer Stellungnahme der öffentlichen Kritik von Mitgliedern des Sozialausschusses des Stuttgarter Gemeinderates an der Vesperkirche. "Wir nehmen die Kritik ernst", erklären sie. Allerdings werde "am besonderen Profil der Vesperkirche" festgehalten. Die Vesperkirche sei ein Ort, an dem Menschen vom Rand der Gesellschaft "so angenommen werden, wie sie sind und aus sozialer Isolation und Einsamkeit herausfinden zu Gemeinschaft mit anderen."

Im folgenden der Wortlaut der Stellungnahme von Dekanin Wiebke Wähling und Diakoniepfarrerin Karin Ott:

Mitglieder des Sozialausschusses des Stuttgarter Gemeinderates haben in der vergangenen Woche die Vesperkirche öffentlich kritisiert. Dabei war von „Eventcharakter“, Konkurrenz und mangelnder Einfügung in die dezentrale Hilfsstruktur der Stadt die Rede.

 

Als die Verantwortlichen für die Vesperkirche nehmen wir diese Kritik ernst und werden sie in die konzeptionelle und qualitative Weiterentwicklung der Stuttgarter Vesperkirche einfließen lassen.

 

Unverändert festhalten werden wir jedoch am besonderen Profil der Vesperkirche als einem Ort,

 

  • wo Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft sich begegnen und auf Zeit das Leben miteinander teilen,
  • wo Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft leben, so angenommen werden, wie sie sind und aus sozialer Isolation und Einsamkeit herausfinden zu Gemeinschaft mit anderen,
  • wo Menschen in schwierigen Lebenssituationen ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte, wo sie praktische Hilfe und Unterstützung in multiplen Problemlagen finden,
  • wo Menschen Nähe und Zuwendung für Leib und Seele erfahren.

Mit diesem Profil versteht sich die Vesperkirche als ein ergänzendes Angebot im breiten und vielfältigen Netz der sozialen Angebote verschiedener Träger in Stuttgart. Der große Zuspruch, die breite Solidarität und das öffentliche Interesse zeigen uns aber auch den offensichtlichen Bedarf an einem Angebot wie der Vesperkirche.

 

Das enorme Engagement von rund 600 ehrenamtlich Mitarbeitenden, darunter 120 SchülerInnen und Auszubildende, allein im Jahr 2009, die große Zahl von Sponsoren und SpenderInnen, die zum Teil seit vielen Jahren die Stuttgarter Vesperkirche unterstützen und überhaupt erst möglich machen, ist für uns ein eindrückliches Zeichen: Diese Arbeit ist mehr als sinnvoll. Sie zeugt von der großen Bereitschaft ganz vieler Menschen, mit anderen zu teilen - das tägliche Brot, aber auch das, was ein Mensch darüber hinaus zu einem Leben in Würde braucht. Zugleich wird hier auch etwas vom ureigensten Auftrag von Kirche erfahrbar. Einer Kirche, die im Namen Gottes ganz nah bei den Menschen ist.

 

Die Evangelische Kirche in Stuttgart begleitet mit großer Aufmerksamkeit in ihren verschiedenen diakonischen Angeboten Menschen am Rand der Gesellschaft und die sich auch in Stuttgart immer stärker ausbreitende Armut. Die Vesperkirche ist ein Baustein in dieser Arbeit. Die Evangelischen Gesellschaft Stuttgart (eva), die ebenfalls mit vielfältigen Angeboten und Einrichtungen Menschen in schwierigen Lebenslagen, vom Mittagstisch bis zur Beratung für Aidskranke, unterstützt, sieht in der Vesperkirche keine Konkurrenz, sondern eine wichtige Ergänzung im Netz der Hilfe. Prof. Dr. Jürgen Armbruster, Vorstandsmitglied der eva, sagt: "Die Kooperation zwischen der Evangelischen Gesellschaft und der Vesperkirche wurde in den letzten Monaten deutlich intensiviert."

 

Übrigens: Die mit der Kritik des Sozialausschusses verbundene Frage „Was brauchen Arme in dieser Stadt?“ werden wir im Rahmen einer für Mai 2009 geplanten Diskussionsveranstaltung in der Leonhardskirche zum Thema „Armut und Teilhabe“ aufgreifen. Nähere Informationen folgen.

 

Wiebke Wähling, Dekanin für Diakonie im Evangelischen Kirchenkreis Stuttgart

Karin Ott, Diakoniepfarrerin

Stuttgart, 30. März 2009