29.01.09

Politisches Nachtgebet: Kirchenvertreter fordern „Sozialticket“

Sozialamtsleiter Tattermusch: ALG-II-Regelsatz ist zu gering.

Ein „Sozialticket“ für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Stuttgart forderten gestern Abend (28. Januar) die Veranstalter eines „Politischen Nachtgebets“ in der Stuttgarter Vesperkirche. Für arme Menschen sei es schwer, sich als vollwertig integrierte Mitglieder der Gesellschaft zu fühlen, wenn sie wegen Geldmangels vom Personennahverkehr ausgeschlossen sind, sagte die Stuttgarter Diakoniepfarrerin Karin Ott. Ein „Sozialticket“ mit geringer Eigenbeteiligung hätte auch zur Folge, dass weniger Arme zum „Schwarzfahren“ gedrängt und kriminalisiert würden. Die 16 Euro, die im Hartz-IV-Regelsatz pro Monat für den Verkehr vorgesehen seien, reichten für viele Menschen bei weitem nicht hin. „Sie müssen dann das fehlende Geld beispielsweise bei der Kleidung oder bei der Körperpflege einsparen“, beklagte  die Diakoniepfarrerin.

 

Stuttgarts Sozialamtsleiter Walter Tattermusch räumte ein: „Natürlich ist es schwer, mit ‚Hartz IV’ zurechtzukommen, der Einwurf der Münzen in den Fahrscheinautomat tut armen Menschen weh.“ Allerdings habe die Stadt Stuttgart mit der Bonuscard schon ein weit reichendes System von Vergünstigungen für Arme aufgebaut. Tattermusch sieht deshalb nicht in erster Linie die Stadt Stuttgart in der Pflicht, sondern die Bundesregierung. Denn der Arbeitslosengeld II-Regelsatz von 351 Euro für einen Erwachsenen reiche nicht aus.

 

Das „Politische Nachtgebet“ wurde gemeinsam von der Stuttgarter Arbeitsgemeinschaft Kirchen in der City und vom Diakoniepfarramt Stuttgart veranstaltet.