27.02.13

Armut macht krank – Krankheit macht arm

„Wer arm ist, stirbt früher!“, prangerte Matthias Felsenstein im Rahmen des politischen Nachtgebets am Dienstag Abend in der Leonhardskirche an. Der Arzt, Vertreter der Landesärztekammer und Kirchengemeinderat brachte eine Vielzahl an Zahlen und Statistiken bei, die mit ihrer eindrücklichen Aussage die übrigen Redner und die knapp 60 Gäste nachhaltig beeindruckten.

Rund zehn Jahre sind es, die ein armer Mensch in der Bundesrepublik weniger zu leben hat. „Das ist enorm, das ist ungerecht, das ist eigentlich ganz schwer auszuhalten“, reklamierte Matthias Felsenstein. Dem konnte Diakoniepfarrerin Karin Ott nur beipflichten. „Das sind Zahlen, in denen die ganze Dramatik des Themas drinsteckt“, sagte sie.


Auf Einladung der Vesperkirche und der Arbeitsgemeinschaft Evangelische Kirchen in der City diskutierten die Hausärztin Regina Dipper, die stellvertretende Landtagspräsidentin Brigitte Lösch, Elisabeth Schöndorf von der AOK Baden-Württemberg, die Menschenrechtsbeauftragte der Landesärztekammer Ingrid Rothe-Kirchberger und der Mediziner Matthias Felsenstein über den Zusammenhang zwischen Armut und Krankheit und Lösungsansätzen aus dem unendlichen Kreislauf aus Krankheit, Isolation, Armut.


Regina Dipper brachte Erfahrungsberichte aus ihrer medizinischen Arbeit in der Vesperkirche mit, die deutlich aufzeigten, dass es für arme Menschen im Gesundheitssystem Hürden gibt, die es gilt abzubauen. „Ein armer Mensch kann keine Massagen oder Krankengymnastik in Anspruch nehmen, auch wenn es noch so notwendig wäre“, erklärte sie und forderte eine gesellschaftliche Diskussion darüber, was uns Gesundheit wert ist. „Krankheit macht arm“, bestätigte auch nachdrücklich eine Besucherin, die in der anschließenden Publikums-Gesprächsrunde von ihrem eigenes Schicksal als chronisch Kranke berichtete.


„Wir müssen Strategien aufbauen, die im Stadtteil orientiert sind“, forderte Brigitte Lösch. Damit sollten die Hürden für diejenigen verringert werden, die sich aus verschiedenen Gründen schwer tun, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Der erste Schritt zu einer Gesundheitsversorgung ist die Information“, betonte Elisabeth Schöndorf und lud dazu ein, zur Beratung in eines der AOK-Kundenzentren zu kommen. Einig war man sich an diesem Abend auch an dem Punkt, dass Gesundheitsvorsorge schon ganz früh, nämlich bei den Kleinsten ansetzen müsse.