26.02.13

Rekordzahl an Ehrenamtlichen

Stuttgart, 26. Februar. Am kommenden Samstag, 2. März endet die 19. Stuttgarter Vesperkirche nach sieben Wochen. Heute hat die Stuttgarter Diakoniepfarrerin Karin Ott Bilanz gezogen.

„Wir sind ausgesprochen dankbar, dass es wieder gelungen ist, für unsere Gäste den Tisch reich zu decken“, sagte sie. Der Schatz der Vesperkirche sind ihre ehrenamtlich Engagierten. „Wir haben in diesem Jahr die absolute Rekordzahl von 650 Männern und Frauen von 16 bis über 80 Jahre erreicht“, berichtet Pfarrerin Ott. Die Mitarbeiter kämen aus allen sozialen Schichten: „Manche waren früher selbst Gäste der Vesperkirche und sagen jetzt, dass sie etwas zurückgeben möchten. Andere kommen hier mit großen Augen rein, weil sie in eine Welt eintauchen, die ihnen völlig unbekannt ist.“ Auch rund 200 Schüler und Auszubildende haben ehrenamtlich mitgearbeitet.

Die Diakoniepfarrerin hat 2013 ein steigendes Interesse an Beratungs- und Seelsorgegesprächen beobachtet. Da gehe es um ganz praktische Dinge wie die Suche nach einer Notübernachtung, aber auch um Unterstützung bei Schwierigkeiten mit Behörden oder darum, sich Kummer von der Seele zu reden. „Armut macht einsam“, beobachtet Sozialarbeiterin Elisabeth Tschürtz. „Viele Gespräche drehen sich um einen Verlust oder um Trauer. Da merkt man: viele Gäste haben sonst niemand, mit dem sie reden können.“ Die Vesperkirche biete „ein gutes Milieu und eine Atmosphäre an für solche Themen“.

Zum Angebot der Stuttgarter Vesperkirche gehört außerdem eine medizinische Ambulanz, ehrenamtliche Frisöre haben rund 200 neue Haarschnitte bewerkstelligt, zum sonntäglichen Kulturprogramm mit seiner Bandbreite von Jazz über Pop bis zum klassischen Chor und Orchester kamen insgesamt 3.000 Besucher. 2013 wurden 30.000 warme Mittagessensportionen ausgegeben, so viele wie im Vorjahr. Bei den Vesperbeuteln gab es allerdings eine Steigerung auf rund 25.000. „Weil wir sieben Wochen lang winterliches Wetter hatten, sind die Gäste länger in der Kirche geblieben“, ist Pfarrerin Otts Erklärung. Deshalb sei die Kirche auch voller gewesen – „an manchen Tagen sind wir an die Grenzen unserer Kapazität gekommen“, berichtet Ott.

Ihre Bilanz fällt zwiespältig aus. Einerseits ist sie dankbar und glücklich, was in der Vesperkirche geleistet wird und wie viel Unterstützung und Spenden kommen. Auf der anderen Seite sei es bitter, mit anzusehen, wie sich die Armut beispielsweise von Langzeitarbeitslosen verfestigt, trotz guter Wirtschaftslage. Deshalb stehen die Verantwortlichen der Vesperkirche im intensiven Kontakt mit Kommunal- und Landespolitikern. „Armut fällt nicht vom Himmel, sie hat ganz konkrete Ursachen“, sagt die Diakoniepfarrerin.

Die Vesperkirche 2013 endet am kommenden Samstag, 2. März mit einem Gottesdienst ab 16 Uhr. Der Diakonie-Dekan des Stuttgarter Kirchenkreises, Klaus Käpplinger, hält die Predigt. Die nächste Vesperkirche ist schon terminiert: Sie geht von 19. Januar bis 8. März 2014.