24.01.13

Armut in einer reichen Stadt

Wieviel Armut gibt es in Stuttgart? Und wo ist sie beheimatet? Wer ist armutsgefährdet und wer ist von Armut betroffen? Die Teilnehmer der Diskussionsveranstaltung „Armut in der reichen Stadt? Soziale Teilhabe in Stuttgart“ haben sich am Mittwochabend mit diesen Fragen auseinandergesetzt.

[Foto: Monika Johna]

Eingeladen hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung. Auf dem Podium diskutierten Bernhard Löffler, Regionsvorsitzender der DGB Nordwürttemberg, Diakoniepfarrerin Karin Ott und Ariane Krentz vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg. Nach kurzen Stellungnahmen der Podiumsmitglieder ging die Diskussion schließlich in das Publikum über, das sich rege beteiligte.


Kritisch wurde die Armuts- und Arbeitspolitik der Bundesregierung bewertet, in trockene Zahlen gelangte durch anschauliche Beispiele Leben und hinterließ  manchen schalen Beigeschmack. Bernhard Löffler vom DGB sprach naturgemäß viel zum Thema Arbeit und Armut, forderte nachdrücklich einen Mindestlohn in Deutschland und stellte anhand von Zahlen dar, wie Armut sich immer mehr zu einem Phänomen entwickelt, das fernab von Einzelschicksalen rangiert. „Jeder fünfte Bundesbürger ist arm, das heißt, jeder fünfte, der hier sitzt, ist arm. In Stuttgart sind 16 600 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von Armut bedroht, 14,8 Prozent der Kinder leben in Hartz IV-Gemeinschaften“, erklärte Bernhard Löffler.


„Die geringfügige Beschäftigung ist die Armutsfalle schlechthin“, betonte er. Ariane Krentz fügte den Zahlen in ihrer Stellungnahme noch weitere an, deutlich wurde dabei, dass nach wie vor Kinder ein großes Armutsrisiko darstellen. „Und Armut ist auch weiblich“, sagte sie mit Blick auf ältere alleinstehende Frauen. Karin Ott erklärte, in Stuttgart werde sehr viel getan, um die Folgen der Armut abzufedern. „Aber wir müssen an die strukturellen Ursachen heran und wir brauchen dazu einen entschiedenen politischen Willen“, forderte sie.


An der anschließenden Diskussion beteiligten sich die Besucher rege. Viele von ihnen leuchteten das Problem der Armut noch einmal aus ihrem eigenen Blickwinkel und aus ihren persönlichen Erfahrungen heraus aus. Immer wieder wurde hier das unter der rot-grünen Regierung eingeführte Hartz IV-Gesetz  kritisch angesprochen. Einig war man sich, dass angesichts der immer weiter werdenden Schere zwischen Arm und Reich akuter Handlungsbedarf besteht und dass hierbei vor allem die Bundespolitik dringend gefragt sei.