24.01.07

Arzneimittel für die Schwäbische Tafel

Mit einem Pilotversuch starten die Schwäbische Tafel und der Pharmagroßhandel GEHE ein Projekt zur verbilligten Versorgung verarmter Menschen mit rezeptfreien Arzneimitteln.

Michael Brinkert (Presssprecher GEHE), Karin Graser (Schwanen-Apotheke), Dr. Ewald Hommel (Ärzteschaft Stuttgart), Martin Friz (Diakoniepfarrer, Vorsitzender Schwäbische Tafel Stuttgart).

Hierzu wurde eine Vereinbarung getroffen. Martin Friz, Diakoniepfarrer und Vorsitzender der Schwäbischen Tafel Stuttgart, hatte lange nach Möglichkeiten und Wegen gesucht, nicht verschreibungsfähige Medikamente auch für arme Bevölkerungsschichten bezahlbar zu machen. Jetzt ermöglicht GEHE den Kunden der Schwäbischen Tafel, diese Arzneimittel im Rahmen der Vesperkirche mit 25 Prozent Rabatt zu beziehen und fördert das Projekt darüber hinaus mit Nahrungsergänzungsmitteln der Marke „gesund leben“. Ziel des Modells sei es, Erfahrungen zu sammeln, weitere Sponsoren zu gewinnen und langfristig eine Reduzierung auf 50 Prozent des Normalpreises zu erreichen, so Martin Friz. Das Pilotprojekt läuft ab dem 2. Februar in der Ambulanz der Vesperkirche. Es ist geplant, das Modell weiterzuführen, wenn der Versuch erfolgreich verläuft und weitere Partner gefunden werden.

 

Hintergrund für die Überlegungen von Martin Friz war die harte Alltagsrealität: Die Kosten für verschreibungsfähige Medikamente müssen Patienten in Höhe von zwei Prozent ihres Jahreseinkommens selbst übernehmen, erst wer darüber liegt, wird freigestellt. Bei verarmten Menschen mache dieser Eigenanteil rund 75 Euro im Jahr aus, so Friz. „Diese Selbstbeteiligung und die Praxisgebühr aufzubringen, ist für Menschen, die von 345 Euro im Monat leben müssen, schwierig genug.“ Dazu kommt: Nicht verschreibungspflichtige Medikamente müssen immer selbst bezahlt werden. „Deshalb treten noch größere Probleme für diese Menschen auf“, sagt Friz und verweist auf tägliche Situationen in Apotheken. „Was kostet das Medikament?“, sei meist die erste Frage, wenn ein Rezept für ein nicht verschreibungspflichtiges Medikament vorgelegt wird. Werde der Preis genannt, komme oft ein: „Das muss ich mir noch überlegen“. Für Friz steht außer Frage: „Das heißt, diese Menschen können sich die Medikamente nicht leisten und laufen Gefahr, dass aus ihrer zunächst leichten Erkältung eine Lungenentzündung oder aus ihrer Allergie eine Asthmaerkrankung wird“.

 

Der Vorsitzende der Geschäftsführung, André Blümel, äußert sich zu den Motiven seines Unternehmens: „Die Gesundheit des Menschen steht im Mittelpunkt unseres Handelns. Dieses Leitmotiv ist keine Worthülse, sondern etwas, was wir zu leben versuchen. Als sozial verpflichtetes Stuttgarter Unternehmen haben wir uns sofort entschlossen, Martin Friz zu unterstützen. Jenseits der Verantwortung für sich selbst darf Gesundheit kein Privileg für Begüterte sein. Notwendige Arzneimittel müssen sich in unserem Land alle Menschen leisten können.“

 

 

 

Mit dem Projekt „Arzneimittel für die Schwäbische Tafel“ soll verarmten Menschen nun ein Stück weit geholfen werden. Die Stuttgarter Ärzteschaft erhält dazu eine Liste mit rund 20 Wirkstoffen und den entsprechenden Produkten, die mit einem so genannten „Grünen Rezept“ über am Modell beteiligte Apotheken verbilligt abgegeben werden. Das Rezept wird im Laden der Schwäbischen Tafel in der Hauptstätter Straße mit einem speziellen Stempel versehen, nachdem dort überprüft wurde, ob der Patient im Besitz einer Bonuskarte der Stadt Stuttgart ist. Diese Karte berechtigt zum Einkaufen in den Stuttgarter Tafelläden. Die Patienten können danach eine am Modell beteiligte Apotheke auswählen und erhalten dort das Medikament zum reduzierten Preis.

 

Karin Graser, Apothekerin und Inhaberin der Schwanen-Apotheke in Stuttgart, unterstützt die Schwäbische Tafel schon länger und nimmt am Pilotversuch teil: „In einem Zeitungsartikel las ich, dass in deutschen Großstädten wie zum Beispiel in Berlin jedes dritte Kind in Armut lebt, nicht genügend zu essen bekommt und niemals eine warme Mahlzeit. Das darf in unserem reichen Wirtschaftsland Deutschland nicht sein. Sicher ist internationale Hilfe notwendig und sinnvoll, aber die Armut sieht man leider auch hierzulande, wenn man auf die Straße geht. Durch meine Spende hier vor Ort sehe ich, dass den Menschen direkt und ohne bürokratische Umwege geholfen wird und dass das Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird. Hilfe und Medikamente werden aber nicht nur in der Weihnachtszeit, sondern zwölf Monate im Jahr benötigt. Deshalb beteilige ich mich an dem von GEHE iniziierten Projekt, rezeptfreie Medikamente zu einem günstigen Preis an bedürftige Menschen abzugeben.“