22.02.14

Dankbar sein ist Glück - und nichts ist selbstverständlich

Über das „Glück der Dankbarkeit“ sprach der Stuttgarter Stadtdekan Søren Schwesig am 23. Februar bei seiner ersten Predigt in der Vesperkirche. Sich bewusst an das Gute erinnern, das man im Leben erfahren hat, sei ein wichtiger Schutz gegen Bitterkeit und in schweren Zeiten, sagte der Stadtdekan.

Im Wohlstandsland Deutschland sei „sehr vieles viel zu selbstverständlich“. Aber „was ist schon selbstverständlich?“, fragte Stadtdekan Schwesig. Beispielsweise ein Dach über dem Kopf – „für zehntausende Kriegsflüchtlinge in Syrien, die ihre Heimat verloren haben und zwischen den Kriegsfronten hin- und herflüchten“, sei ein geborgenes Zuhause alles andere als selbstverständlich. Auch genug zu essen zu haben sei nicht selbstverständlich, sondern ein Geschenk. „Wer den Alten zuhört, was die aus Notzeiten zu erzählen wissen, wird neu darüber nachdenken, ob es nicht doch Grund gibt, für das Essen zu danken“, so Schwesig. Und allein die Tatsache, dass wir leben, sei keineswegs selbstverständlich. „Wenn ein Unglück in unserer Nähe geschieht, eine Krebsdiagnose in der Familie, ein Todesfall in der Nachbarschaft oder etwas anderes, dann werden uns die Augen geöffnet, und wir erkennen die Endlichkeit und Zerbrechlichkeit unseres Lebens.“

„Dankbarkeit ist Denkarbeit“, so Schwesig. Dankbar könne man nur sein, „wenn ich mich besinne auf das, was mir alles geschenkt ist.“ Zur Dankbarkeit gehöre auch, „dass ich das, was mir geschenkt ist, nicht als selbstverständlich hinnehme. Wer den Partner, die eigenen Kinder, Freunde, Nachbarn, die es gut mit einem meinen, die Güter, die er besitzt – wer das alles als selbstverständlich hinnimmt, wird nur schwer Dankbarkeit empfinden können, vor allem Dankbarkeit gegenüber Gott.“

 

Aus Dankbarkeit wächst das Vertrauen, "dass Gott immer noch in meinem Leben dabei ist und dass er mich führt und dass er mich trägt."

 

Noch bis 8. März ist die Stuttgarter Vesperkirche in der zentral gelegenen Leonhardskirche. Rund 600 Menschen täglich kommen zum Essen, zu medizinischer Betreuung, Seelsorge, Sozialberatung, Frisör, Kultur und vielem mehr. Insgesamt arbeiten in diesem Jahr über 800 Menschen ehrenamtlich bei der Vesperkirche mit. Sie endet am 8. März mit einem festlichen Gottesdienst. Dann hält der württembergische Landesbischof Frank O. July die Predigt.