18.01.15

Abschied von der Gleichgültigkeit

Zur Eröffnung der Stuttgarter Vesperkirche predigte Kirchentags-Generalsekretärin Dr. Ellen Ueberschär. 870 Essensgäste kamen am ersten Tag, der mit einem Konzert der A capella Gruppe Füenf ausklang.

Begeisternder Ausklang des ersten Vesperkirchentages 2015: Start der Kultur-Reihe mit der Stuttgarter Gruppe Füenf

Mit einem festlichen Gottesdienst wurde heute Vormittag in der Stuttgarter Leonhardskirche die 21. Stuttgarter Vesperkirche eröffnet. „Vesperkirche bedeutet: Sieben Wochen ohne Wegschauen. Hier sehen wir der Armut ins Gesicht“, sagte die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Dr. Ellen Ueberschär, in ihrer Predigt

In den sieben Vesperkirchenwochen könne man „überlegen, was in den übrigen 46 Wochen des Jahres getan werden kann" für eine gerechtere Gesellschaft. Die Vesperkirche sei kein Ersatz für den Sozialstaat, es gehe ums Hinsehen. Hinsehen beispielsweise, was Armut bedeutet. Armut sei nicht nur „Mangel an Geld, sondern auch geringe Bildungs-Chancen. Arme haben keine Netzwerke, weniger Aufstiegsmöglichkeiten und Gestaltungs-Chancen“, sagte Überschaer.

Die Idee, Vesper und Kirche zu verbinden, sei so alt wie die Kirche selbst. „Alltägliches und Heiliges kommen zusammen, Armes und Seliges – arm-selig im besten Sinne“. Jesus habe „Menschen aus allen sozialen Schichten eingeladen ins Himmelreich“. Die Idee dieser Einladung an alle fülle die Vesperkirche mit Leben. Und „wer Jesus nachfolgen will, darf sich nicht nur einlassen auf Menschen seiner sozialen Schicht, sondern muss sich auch auf ganz andere einlassen“. Es gehe „um den Abschied von der Gleichgültigkeit“. Überschaer appellierte: „Wenn Sie sich reich fühlen, dann schauen Sie hin. Armut ist keine Frage der Statistik, sondern der Menschlichkeit.“ Und wer sich arm fühle, solle „anderen keine Gelegenheit geben, wegzuschauen“.

Auch Stadtdekan Søren Schwesig erinnerte in seinem Grußwort an die biblische Hoffnung, dass Menschen aus allen Himmelsrichtungen an Gottes Tisch zusammensitzen. „Dann zählt nicht mehr Nationalität und Rasse, Arm, Reich oder die sexuelle Orientierung, an Gottes Tisch lernen sich die Menschen als Brüder und Schwestern kennen“. Zwanzig Jahre Vesperkirche seien kein Grund zum Feiern, sondern mache den Skandal öffentlich, dass es in der reichen Stadt Stuttgart eine große Gruppe armer Menschen gebe. Es sei aber auch „Grund zur Freude, beispielsweise über die vielen Unterstützer und die vielen Menschen, die hier mitarbeiten: Rechtsanwälte, Rentner, Schüler und viele andere.“

870 Essensgäste wurden am Eröffnungssonntag gezählt – ungefähr gleich viele wie im Vorjahr.

 

Kulturreihe startete mit den "Füenf"

Am Sonntag startete auch die Reihe „Kultur in der Vesperkirche“ mit einem Konzert der Stuttgarter Pop-a-cappella-Gruppe Füenf. Die fünf jungen Männer "rockten" die Vesperkirche mit raffiniert arrangierten Gute-Laune-Songs, die meisten aus der Feder des unvergessenen Wolle Kriwanek. Bestens kam die Mitmachnummer an: "Reggae di uf" - ein Song mit Ohrwurmqualität. Drei Zugaben, begeisterter Applaus...

Die Vesperkirche öffnet bis 7. März täglich von 9 bis 16.15 Uhr. Es gibt ein warmes Essen für 1,20 Euro, gratis sind Getränke, Vesperbeutel und an einigen Nachmittagen Kuchen. Gesprächs- und Beratungsangebote, Ärzte und Zahnärztin, Hilfen für Tiere, eine Fahrrad-Werkstatt und Konzerte runden das Angebot ab.

Weitere Informationen unter www.vesperkirche.de