16.04.10

Hilfen der eva-Stadtmission sehr gefragt

Jahresbericht 2009: Über 31.000 Kontakte zu bedürftigen Menschen

Stuttgart. Armut ist in der Landeshauptstadt ein drängendes Thema. Das spiegelt sich in der Arbeit der Stadtmission der Evangelischen Gesellschaft (eva) wider: Die Mitarbeitenden der traditionsreichen Einrichtung haben im vergangenen Jahr über 31.000 Kontakte zu armen, wohnungslosen, sozial ausgegrenzten oder inhaftierten Menschen verzeichnet. Ein Drittel von ihnen waren Frauen. Der Anteil älterer Menschen ist gestiegen und auch die „arbeitende Armut“ wird deutlich: Immer mehr Ein-Euro-Jobber und Geringverdiener nehmen besonders gerne die kulturellen Angebote an den Wochenenden und Abenden wahr. Das geht aus dem soeben erschienenen Jahresbericht der eva-Stadtmission hervor.

Die Hilfen der Stadtmission reichen von der Tagesstätte Wärmestube über eva’s Tisch, den Offenen Sonntag und den weihnachtlichen Stall bis hin zur Gefängnisseelsorge in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim. Etwa 300 ehrenamtliche Mitarbeitende unterstützen die Arbeit der Stadtmission. Rund siebzig von ihnen sind ganzjährig dabei. Die anderen engagieren sich beim weihnachtlichen Stall. Ohne die menschliche Zuwendung dieser Ehrenamtlichen wären viele Angebote nicht möglich.

Über 10.000 mal wurde die Tagesstätte Wärmestube im Berichtsjahr aufgesucht. Die Besucherzahlen in den Abendstunden sind erneut gestiegen. 50 Menschen konnte mit der offenen, niedrigschwelligen Beratung aus einer akuten Notlage herausgeholfen werden oder sie wurden an Fachdienste weitervermittelt.

An etwa 250 Tagen im Berichtsjahr wurden an eva’s Tisch beinahe 17.000 Mittagessen zum sozialhilfegerechten Preis von zwei Euro ausgegeben. Das Essen stammt aus den Küchen von Stuttgarter Organisationen und Unternehmen, die es zum Selbstkostenpreis an die eva verkaufen. Dazu gehören die Allianz, Debeos-Iss, Deutscher Sparkassen Verlag, Diakonieklinikum, Energie Baden-Württemberg, Evangelische Heimstiftung, Karl-Olga-Krankenhaus und – zum Jahresbeginn – die Vesperkirche.

Der Offene Sonntag findet 14-tägig statt. Über das Mittagessen und die Kaffeetafel hinaus bilden eine Andacht und ein kulturelles Programm den Rahmen. An 22 Sonntagen kamen 2009 knapp 3.500 Gäste. Höhepunkte waren eine Theateraufführung von Gästen und Mitarbeitenden, das Sommerfest mit über 350 Gästen und ein Auftritt des Tanzensembles Gauthier Dance Mobil.

Zum weihnachtlichen Stall am Heiligen Abend und am ersten Weihnachtsfeiertag kamen 1.400 Gäste. Das entspricht einem Zuwachs von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit kam die räumliche Kapazität des Hauses der Diakonie an ihre Grenzen.

Die Gefängnisseelsorgerin im kirchlichen Dienst der JVA Stuttgart muss täglich auf aktuelle und dringende Hilfeersuchen reagieren: Nicht nur bei persönlichen Krisen von Gefangenen, sondern auch bei Ereignissen von außen. Bei Todesnachrichten begleitet sie Gefangene zusammen mit einem Vollzugsbeamten schon einmal zur Beerdigung – wenn ein richterlicher Beschluss es möglich macht.