15.10.09

Teufel: Glaubwürdigkeit der Kirche hängt von der Nächstenliebe ab

Stuttgart (epd). Die Glaubwürdigkeit der Kirche hängt nach Ansicht des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel entscheidend von der tätigen Nächstenliebe ab. Teufel war am 14. Oktober Gast einer Podiumsdiskussion mit Experten aus Kirche und Diakonie in der Stuttgarter Leonhardskirche.

Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel lobt die Vesperkirche als "Ort der Nächstenliebe" / Bild: Schweizer

"Alles was wir selber geworden sind, verdanken wir andern und deshalb müssten wir auch das, was wir sind, an andere weitergeben", sagte Teufel am Mittwochabend. Der ehemalige Ministerpräsident betonte, dass auch Arbeit zu schaffen ein wichtiges Mittel gegen Armut sei. Denn ein Sozialstaat lebe von den Sozialabgaben. "Der Staat ist keine Kuh, die im Himmel frisst und auf Erden gemolken wird. Jede Mark, die von einer öffentlichen Kasse ausgegeben wird, muss man zuerst dem Bürger nehmen", sagte Teufel. Jeder müsse teilen und das Mögliche tun, damit Armut gelindert wird.


Nach Ansicht des evangelischen Prälaten Christian Rose (Reutlingen) muss jeder die Verantwortung für andere im Blick behalten. Von der ersten bis zur letzten Seite spreche die Bibel von der Zuwendung zum Menschen. "Deshalb sind Barmherzigkeit und Gerechtigkeit die Zeichen der Kirche". Jesus habe diesen barmherzigen Lebensstil gelebt und uns vorgelebt. "Wer bei Gott eintaucht, taucht bei den Armen auf." Dies sei für Christen ein zentraler Satz.


Die Vesperkirchen seien für viele ein Stein des Anstoßes, da es in einem Sozialsystem theoretisch keine Armut geben dürfe, sagte Claudia Schulz, Professorin an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg. "Es geht nicht nur um die Reflexion des Sozialsystems. Das Hauptproblem der Armut ist die Spaltung in der Gesellschaft." Manche hätten keine Teilhabe in der Gesellschaft und seien sozial ausgeschlossen. Vesperkirchen würden helfen, dass reiche und arme Menschen einander wahrnehmen und die alltäglichen Probleme kennen lernen.


Die Vesperkirchen:


Seit den 1990er Jahren sind die Vesperkirchen Orte der Begegnung und der gesellschaftlichen Sensibilisierung für Armut. Sechs bis sieben Wochen zwischen Januar und März öffnen mehrere Kirchen in Baden-Württemberg ihre Türen besonders für alte, einsame und arme Menschen. Neben billigem Essen bieten ehrenamtliche Mitarbeiter sowie Diakoninnen und Diakone Hilfe, Gespräche und Rahmenprogramme an. http://www.vesperkirche.de