14.12.15

Mehr Vesperkirchen im Land als je zuvor

30 Vesperkirchen werden in dieser Saison 2015/2016 in Baden-Württemberg ihre Pforten öffnen – so viele wie nie zuvor. Der Bedarf ist ungebrochen: „Knapp 48.000 Menschen sind in Stuttgart auf sogenannte Hartz IV-Leistungen oder auf Grundsicherung angewiesen.

Nach leichten Besserungen in vergangenen Jahren stehen wir mit diesen Zahlen nun wieder da, wo Hartz IV vor zehn Jahren gestartet ist“, erklärte die Stuttgarter Diakoniepfarrerin Karin Ott im Rahmen der Eröffnungspressekonferenz zur Stuttgarter Vesperkirche. Bei der Grundsicherung, die vor allem alte Menschen und Alleinerziehende beziehen, hat sich die Zahl beinahe verdoppelt.

Ob in Esslingen, Tübingen, Pforzheim oder Mannheim – bei den Vesperkirchen geht es darum, armen Menschen für eine gewisse Zeit eine gastfreundliche Herberge zu bieten, ihnen die Kirchentüren zu öffnen und sie zum gemeinsamen Mahl einzuladen. Die Gäste  bekommen ein warmes Mittagessen, sie erfahren Wertschätzung und erhalten die Möglichkeit, einander auf Augenhöhe zu begegnen.

In der Landeshauptstadt wird die Vesperkirche wieder für sieben Wochen vom 17. Januar bis 6. März 2016 ihre Besucher herzlich willkommen heißen. Auch in diesem Jahr steht den Gästen eine Reihe Angebote zur Verfügung. Neben dem täglichen warmen Mittagessen sind dies medizinische Hilfe, Friseur, Schreib- und Malwerkstatt, das Chorprojekt „rahmenlos und frei“ und erstmalig eine Sozialrechtsberatung. Karin Ott betont die zweifache Aufgabe der Vesperkirchen: „Barmherzigkeit üben und für Gerechtigkeit eintreten. Vesperkirche macht die Armut sichtbar. Vesperkirchen mitten im Reichtum sind und bleiben ein Skandal.“

Die Vesperkirchen in Baden-Württemberg finden sich unter: http://www.elk-wue.de/fileadmin/Downloads/Helfen/Armut/Vesperkirchen_2015-2016.pdf