13.07.09

Landesbischof July ruft zum Kampf gegen Armut auf

Stuttgart (epd). Der evangelische württembergische Landesbischof Frank Otfried July hat zum weltweiten, ökumenischen Kampf gegen Armut aufgerufen. Er würdigte vor der Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg die Arbeit der Vesperkirchen.

Landesbischof July: "Keiner kann sie wollen, und doch sind sie nötig!" - Vesperkirche Stuttgart / Foto: Fieselmann

«Angesichts der Globalisierungsprozesse können wir uns ökumenische Resignation nicht leisten», sagte July in seinem Jahresbericht am Donnerstag (2. Juli) in Stuttgart. Dort tagte das Kirchenparlament der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Auch die Präsidentin der Landessynode, Christel Hausding, sagte, Fragen der Armut würden immer drängender. Das Thema sei «plötzlich sehr nahe gerückt». Zum Bereich Globalisierung und Armut werde die Synode einen Sonderausschuss einrichten, kündigte sie an.

In seinem Bericht sagte July, Entgegen aller Verheißungen habe die Globalisierung die Teilung der Welt in Verlierer und Gewinner nicht überwunden. Vielmehr falle die Welt ökonomisch auseinander und drohe daher auch politisch auseinander zu fallen. Die Kirche in Württemberg müsse aufgrund ihrer Verbundenheit mit vielen anderen Kirchen in der Welt ihre Stimme erheben für diejenigen, die Hunger leiden und im Kampf gegen Klimawandel, HIV/Aids, Kinderarbeit und für Gerechtigkeit. Die Fragen der Armutsbekämpfung gehörten «zu den besonderen Prioritäten der kirchlichen Agenda».

Armut sei aber auch Thema in Deutschland, das die Kirche herausfordere. «Es sind unsere Gemeindeglieder, die vor existenziellen Fragen stehen», sagte der Bischof. Handlungsbedarf gebe es insbesondere gegen Kinder- und Frauenarmut, aber auch in der Landwirtschaft. Als Vision für die Kirche nannte Judy unter anderem eine «Ökonomie des Genug». Dazu gehöre ein Lebensstil, der nicht zu Lasten anderer geht, eine armutsfeste Grundsicherung und «eine Gesellschaft, in der es zum guten Ton gehört, Verantwortung für die Nachbarin und den Nachbarn zu übernehmen».

Nach der Diskussion im Sozialausschuss der Landeshauptstadt Stuttgart über den Sinn der Vesperkirche hat July deren Notwendigkeit verteidigt. «Keiner kann sie wollen und doch sind sie nötig.» Über die Angebote von Mittagstischen, Tafelläden und Vesperkirchen kämen die Menschen in Kontakt mit den Beratungsangeboten der Diakonie, erhielten Unterstützung und Selbstwertgefühl. Die zunehmende Armut führte July auf Entsolidarisierung und Wettbewerbsdenken zurück, in dem «das menschliche Maß» preisgegeben worden sei.