13.01.08

"Jugendgewalt ist die Folge sozialer Verelendung"

Der Stuttgarter Diakoniepfarrer Martin Friz hat vor einseitigen Parolen in der Debatte über Jugendgewalt gewarnt. Man dürfe nicht nur ausländische Jugendliche nennen und die eigenen Rechtsradikalen unterschlagen, sagte Friz im Eröffnungsgottesdienst der 14. Stuttgarter Vesperkirche

"Jugendgewalt ist nicht in erster Linie ein Migrantenproblem, sondern Folge sozialer Verelendung von Kindesbeinen an", so Friz. Auch dürfe denen, die arm und arbeitslos seien, nicht die Schuld dafür gegeben werden, betonte der evangelische Pfarrer. "Über zwei Millionen Menschen in diesem Land werden nie wieder für eine Arbeit gebraucht", sagte er zum Auftakt der Vesperkirche. Am ersten Tag kamen den Verantwortlichen zufolge rund 800 Besucher. Erwartet werden täglich rund 1.000 Gäste, die von rund 1.000 Ehrenamtlichen, die Hälfte davon junge Menschen, betreut werden.


"Wert und Würde von Menschen darf nicht nur durch Nützlichkeit, Leistungsfähigkeit und Besitz definiert werden", forderte Friz, der die Initiative Vesperkirche in Baden-Württemberg 1995 ins Leben rief. Heute gibt es ein Dutzend Vesperkirchen im Land, die für bedürftige Menschen nicht nur eine warme Mahlzeit, sondern auch Gespräche, Seelsorge und Beratung bieten. In Stuttgart gibt es außerdem ärztliche Betreuung, tierärztliche Behandlung sowie einen kostenlosen Haarschnitt.


Friz rief dazu auf, die Menschen so anzunehmen, wie sie sind. Er forderte, niemand aus der Sicht "rechtschaffener Bürgerlichkeit" zu diffamieren. Vesperkirche sei ein Lebensort für alle.

 

Evangelischer Pressedienst (epd)