12.02.07

Ausgeglichen und harmonisch

Atmosphäre in der 13. Vesperkirche ist sehr entspannt. Sich umeinander kümmern ist angesagt.

Es liegt sozusagen in der Luft. Alle in der Vesperkirche, egal wen man fragt, sind sich einig: „Die Atmosphäre ist so ruhig, so harmonisch“. Tatsächlich schlägt einem gleich am Eingang der Kirche eine ausgeglichene Stimmung entgegen.

 

„Die Menschen sind sehr freundlich untereinander und auch die unterschiedlichen Gruppen gehen duldsamer miteinander um“, haben Diakoniepfarrer Martin Friz und Diakonin Sonja Berger in dieser 13. Vesperkirche wahrgenommen. Sich gegenseitig umeinander kümmern ist mehr denn je angesagt. „Die Leute schauen genau darauf, wer neben ihnen sitzt und wie es dem Einzelnen geht und sie begleiten diejenigen, die Probleme haben und sich nicht trauen zu uns Hauptamtlichen“, nickt Sonja Berger. Die Hektik scheint auch diesmal viel mehr raus zu sein, weil fast mehr Ehrenamtliche als Gäste in der Kirche sind. Da bleibt mehr Zeit für ein Schwätzchen am Getränkeausschank und an den Tischen.

 

Auch das milde Wetter trägt zur guten Atmosphäre in der Kirche bei. „Letztes Jahr hatten wir fast nur Frosttage, das macht die Menschen mürbe“, sagt Martin Friz und erinnert sich an das Bild wie ein Gast mit rissigen, blaugefrorenen Händen sich am Morgen an einer Tasse mit heißem Kaffee gewärmt hat. Weil es draußen nicht frostig ist, gehen viele nach dem Essen nach draußen, so gibt es innen Platz für den nächsten Schwung, der essen möchte. Der Wechsel zwischen innen und draußen am Platz tut der Stimmung insgesamt gut.

 

Ein weiterer wichtiger Faktor der guten Stimmung: Die Gäste kümmern sich mehr denn je umeinander. „Eben hat ein Gast eine junge Frau zu uns begleitet, die Hilfe braucht, sich aber nicht getraut hat, mit uns darüber zu sprechen“, erzählt Martin Friz. Die Verantwortlichen werden von Gästen angesprochen, wenn sie sehen, dass andere Gäste dringend Kleidung oder Schuhe benötigen. „Schau mal, der hat keine warme Jacke an“, heißt es dann.

 

Viele ältere Menschen, die zum erstenmal in die Vesperkirche kommen, haben die Verantwortlichen in diesen ersten Wochen bemerkt. Die Altersarmut sei deutlich sichtbarer. Doppelt so hoch meinen sie. Auffallend auch: Jüngere helfen den Menschen, sich in der Vesperkirche zurechtzufinden. Da wird erklärt wo es Getränke gibt, wo die Ambulanz ist und ab wann es Essen gibt