11.02.10

Meklebek

Nilgün Tasman beschert 100 Leuten einen vergnüglichen Abend. Und der Vesperkirche 5.000 Euro.

Brückenbauerin Nilgün Tasman / Foto: Schweizer

„Als Bürgermeisterin für Bildung und Kultur begegnet mir Nilgün Tasman oft. Sie ist ungemein präsent“, sagte Stuttgarts Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann in ihrem Grußwort bei „Tischlein deck dich“, der Benefizveranstaltung in der Stuttgarter Vesperkirche. Sehr präsent war die schwäbische Autorin mit türkischen Wurzeln am Abend des 10. Februar, als rund 100 Besucherinnen und Besucher auf Einladung Nilgün Tasmans in die Vesperkirche kamen.

Tasman las aus ihrem Buch „Ich träume deutsch“, Musiker Heiner Reiff entführte zwischendurch auf eine musikalische Reise, beispielsweise im Ford Taunus nach Istanbul. „Wir hatten den schönsten Ford Taunus der Welt, und mit dem sind wir jedes Jahr drei Tage lang bis Istanbul unterwegs gewesen“, berichtet Tasman aus ihrer Kindheit.

Missverständnisse sind oft ärgerlich. Doch wenn Nilgün Tasman schmunzelnd von Kommunikationspannen zwischen Deutschen und Türken erzählt, klären sich die Anekdoten zu einem befreienden Lachen. Wenn sich etwa das leckere türkische „Meklebek“, von dem eine türkeibegeisterte Freundin schwärmt, sich als Versuch der türkischen Verkäuferin entpuppt, das Wort „Mehlgebäck“ zu artikulieren.

Begeisterte Unterstützerin

 

Durch Zufall ist Nilgün Tasman vor einigen Jahren auf die Vesperkirche aufmerksam geworden. Eigentlich wollte sie in ein nahe gelegenes, edles Kaufhaus. Doch der rege Betrieb an der Leonhardskirche weckte ihre Neugier. Sie schnupperte in die Vesperkirche rein – und war so begeistert, dass sie den Einkauf glatt vergaß. „Und das will was heißen – das werden Ihnen meine Freundinnen gerne bestätigt“, sagt sie lachend. Seither ist Tasman begeisterte Unterstützerin der Vesperkirche. Letztes Jahr organisierte sie ein erstes „Tischlein deck dich“ mit Leckereien und Musik.

In diesem Jahr wurde sie von den „Bosporusschwaben“ unterstützt. Gemeinsam kochten sie 300 Portionen türkische Linsensuppe. Die charmante Frau gewann viele weitere Unterstützer: Der türkische Generalkonsul Ümit Yardim spendete Brot, Weingut Aldinger die Säfte, Ensinger Mineralwasser das Wasser, und Getränke Beilharz übernahm die kostenlose Anlieferung. Im Lauf des Abends wurde außerdem ein Gemälde von Tasmans Ehemann Hans Ulrich Scholpp versteigert.

Brückenschlag zwischen den Kulturen

 

Diakoniepfarrerin Karin Ott, die Leiterin der Vesperkirche, bedankte sich bei Nilgün Tasman: „Brücken schlagen zwischen den Kulturen – dafür stehst du mit deiner ganzen Persönlichkeit.“ So ein Brückenschlag entspreche dem Geist der Vesperkirche: „Die Vesperkirche ist gedacht als ein Ort, wo Menschen für Menschen da sind. Ein Ort für Begegnungen, Gespräche, Zuwendung und Gemeinschaft. Ein Ort, um ein Zeichen zu setzen, dass die Würde eines jeden unantastbar ist, egal, wer er ist oder was er hat.“

Das Ergebnis des Benefizabends: knapp 5.000 Euro Erlös – und 100 vergnügte Menschen.