10.12.08

Vesperkirche: Qualität soll erhalten werden

Die neue Diakoniepfarrerin Karin Ott sagt: „Ehrenamtliche sind ein Schatz“. Sie sieht in der Vesperkirche ein "Mikrokosmos des Engagements gegen Armut". Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich nimmt zur Verkürzung der Vesperkirche auf sechs Wochen Stellung. Sie sei durch die Fürsorge für die hauptamtlichen Mitarbeiter geboten.

Das neue Leitungsduo: Sonja Berger und Karin Ott

Karin Ott, die neue Diakoniepfarrerin des Evangelischen Kirchenkreises Stuttgart, ist gespannt auf ihre erste Stuttgarter Vesperkirche. „Ich freue mich, wenn in vier Wochen endlich losgeht, was mich schon seit meinem Amtsantritt im Oktober bewegt“, sagte sie heute vor Vertretern der Presse. Die 46-jährige Pfarrerin nimmt die Vesperkirche wahr „als eine Art Mikrokosmos der Armut, aber gleichzeitig auch als Mikrokosmos des Engagements gegen Armut in unserer Stadt“.

 

Beeindruckt ist Karin Ott von der großen Bereitschaft vieler Menschen, sich in der Vesperkirche zu engagieren. Die rund 800 Ehrenamtlichen seien „ein Schatz, der es leicht macht, in diese Arbeit hineinzukommen.“

 

Zum 15. Mal öffnet sich die Stuttgarter Vesperkirche für Arme und Unterstützer. Täglich zwischen 18. Januar und 28. Februar 2009 bietet die Leonhardskirche zwischen 9 und 16.15 Uhr ein Dach über dem Kopf, warmes Essen und ein weites Netz von Unterstützung und Beratung.

 

„Die Altersarmut, die wir für überwunden gehalten haben, ist zurückgekehrt“, beobachtet Vesperkirchen-Diakonin Sonja Berger. Viele hätten nur eine Minirente. Da reiche das Geld nicht für die nächste Heizkostennachzahlung – „und das, obwohl diese armen Rentner oft nur ihre Küche heizen.“ Auch die Zahl von Schulabgängern ohne Abschluss und von jungen Familien, die von Hartz IV leben, nehme ständig zu. Die tägliche medizinische Ambulanz sei ein wichtiger Baustein des Hilfsangebotes. Sie wird von Ärztinnen und Ärzten ehrenamtlich betrieben. „Viele gehen das Jahr über nicht zum Arzt. Sie können sich die Zuzahlung für Medikamente nicht leisten“, sagt Berger.

 

Ehrlich: "Wir wollen in der Qualität auf keinen Fall nachlassen"

 

Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich nahm Stellung zur Verkürzung der Vesperkirche von neun auf sechs Wochen. „Wir wollen in der Qualität und im Umfang der Angebote auf keinen Fall nachlassen“, versprach er. Da bei stets wachsenden Besucherzahlen aber die Belastung der Mitarbeiter kontinuierlich zugenommen habe, sei eine Verkürzung notwendig. Dies gebiete die Fürsorge für die hauptamtlichen Diakone und Sozialarbeiter. Ehrlich: „Die Vesperkirche lebt von persönlicher Kontinuität. Das bedeutet für die Hauptamtlichen Sieben-Tage-Wochen. Wir haben in den letzten Jahren gemerkt, dass die Mitarbeiter an ihre Belastungsgrenzen gehen mussten. Deshalb haben wir entschieden: Bevor die Qualität unseres Angebots nachlässt, müssen wir verkürzen.“ Die Vernetzung mit anderen, ganzjährigen Beratungsdiensten soll ausgebaut werden.

 

Mehr als ein warmes Essen: Kultur in der Vesperkirche

 

Am umfangreichen Angebot der Vesperkirche werden also keine Abstriche gemacht. So soll es auch die Reihe „Kultur in der Vesperkirche“ wieder geben. Denn die Vesperkirche versteht sich „als ganzheitliches Angebot, wo neben Essen und Trinken auch Seelsorge und kulturelles Erleben ermöglicht werden, auch für Menschen mit schmalem Geldbeutel“, sagte Ehrlich. Gemeinsam mit Püpcke Kulturmarketing haben die Vesperkirch-Organisatorinnen an sechs Sonntagen erstklassige Konzerte geplant. Beispielsweise kommen am 25. Januar Mitglieder des SWR-Vokalensemble. Freunde schön-schräger Töne kommen am 22. Februar bei „Los Gigantes“ Stefan Hiss und Ralf Groher auf ihre Kosten. Sonja Berger freut sich: „Bei den Konzerten mischen sich unsere Gäste und ‚Normalbürger’. Sie genießen gemeinsam die Musik. Das finde ich wunderbar!“

 

Drei neue Vesperkirchen im Land

Die Vesperkirche wurde 1995 vom früheren Stuttgarter Diakoniepfarrer Martin Friz ins Leben gerufen. Schon im Folgejahr wurde die Idee in Göppingen und Ulm aufgegriffen. 1998 gab es bereits sieben Vesperkirchen in Baden-Württemberg. 2009 werden in 16 Städten Vesperkirchen angeboten, wobei Esslingen, Kirchheim/Teck und Ravensburg zum ersten Mal dabei sind. Eine Vesperkirche im Ruhrgebiet ist in Planung. Die Stuttgarter Vesperkirche 2009 beginnt am Sonntag, 18. Januar um zehn Uhr mit einem Gottesdienst mit den Stuttgarter Hymnuschorknaben.

 

Die Vesperkirche finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Eine Vesperkirche kostet rund 250.000 Euro. Spendenkonto: 2 464 833 bei der BW-Bank, BLZ 600 501 01.

 

Die Vesperkirche im Internet: www.vesperkirche.de