09.03.14

Landesbischof July: Vesperkirchen rufen soziale Not ins Bewusstsein

Mit einem Gottesdienst endete am 8. März die 20. Stuttgarter Vesperkirche. Die Vesperkirchen machen auf Armutsnot und Ausgrenzung aufmerksam, sagte Landesbischof Frank Otfried July in seiner Predigt.

Die Vesperkirchen seien Ausrufe- und Fragezeichen, so der Landesbischof. Als Ausrufezeichen appellieren sie an Stuttgarter und Baden-Württemberger, nicht wegzuschauen. Sie machen deutlich: „Es gibt soziale Not und Ausgrenzung in unserer Gesellschaft. Viele fallen durchs soziale Netz. Seht sie an, denn auch sie haben Würde.“ Als „Fragezeichen“ halte die Vesperkirche die Frage wach: „Was kann getan werden, dass die Vesperkirche eines Tages nicht mehr stattfinden muss, weil alle Menschen ausreichend sozial gesichert sind?“ Die Vesperkirchen seien gute „Orte der Begegnung“, aber „lieber wäre es mir, dass viele es nicht nötig hätten, in die Vesperkirche zu kommen“, sagte der Landesbischof.


Den Besuchern des Abschlussgottesdienstes wünschte Landesbischof July, dass sie aus der Vesperkirche „eine Portion Hoffnung, eine Portion Kraft und eine Portion Würde“ in ihren Alltag mitnehmen. Ein herzliches Dankeschön richtete er an die vielen Ehrenamtlichen, Unterstützer und das hauptamtliche Team der Stuttgarter Vesperkirche.


Die Leiterin der Stuttgarter Vesperkirche, Diakoniepfarrerin Karin Ott, sagte: „Wo wir miteinander an den Tischen Brot teilen, da leuchtet etwas auf von der Vision einer solidarischen Gemeinschaft, in der niemand um sein tägliches Brot bangen muss. Denn es ist genug für alle da.“


Begeisterten Applaus gab es für die musikalischen Beiträge der Vesperkirchenband „rahmenlos & frei“ im Gottesdienst. Bei rahmenlos & frei machen 15 Gäste und Mitarbeitende der Vesperkirche gemeinsam mit Profis der Stuttgarter Musikszene Musik.


Die Stuttgarter Vesperkirche wurde 1995 vom früheren Stuttgarter Diakoniepfarrer Martin Friz gegründet. Nach Stuttgarter Vorbild gibt es inzwischen 26 Vesperkirchen in Baden-Württemberg. In der Stuttgarter Vesperkirche wurden in den vergangenen sieben Wochen pro Tag durchschnittlich 620 Portionen Mittagessen ausgegeben. Darüber hinaus gab es unter anderem medizinische und zahnmedizinische Betreuung, Frisör, Fahrradwerkstatt, Berufs- und Sozialberatung, Seelsorge, Gottesdienste, eine Kulturreihe und kreative Angebote für die Gäste.


Die nächste Stuttgarter Vesperkirche ist von 18. Januar bis 7. März 2015.