06.12.12

Bericht von der Pressekonferenz zum Start der 19. Vesperkirche

„Die Vesperkirche startet auf sehr hohem Niveau und entwickelt sich von Jahr zu Jahr weiter. Gleichzeitig macht sie sichtbar, in welchem Ausmaß sich Armut in dieser ausgesprochen wohlhabenden Stadt verschärft“, erklärte Diakoniepfarrerin Karin Ott Anfang Dezember 2012.

Unter dem Motto „Es ist genug für alle da“ will die Evangelische Kirchengemeinde Stuttgart auch in diesem Jahr wieder ein deutliches Zeichen für Gerechtigkeit setzen. „Die Vesperkirche startet auf sehr hohem Niveau und entwickelt sich von Jahr zu Jahr weiter. Gleichzeitig macht sie sichtbar, in welchem Ausmaß sich Armut in dieser ausgesprochen wohlhabenden Stadt verschärft“, erklärt Diakoniepfarrerin Karin Ott. Laut dem Bericht der deutschen Bundesbank haben die deutschen Privathaushalte mit 4,8 Billionen Euro mehr Geldvermögen denn je zur Verfügung, gleichzeitig öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr.

In der Vesperkirche  beobachte man, wie schwer bis aussichtslos es mittlerweile besonders für Frauen, Behinderte und suchtkranke Menschen sei, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Bereits im Sommer musste die Winternotübernachtung in der Hauptstätterstraße geöffnet werden. Ein weiteres Problem, vor dem man im Moment ziemlich ratlos stehe, seien die Armutswanderungen aus dem osteuropäischen Raum, berichtet Karin Ott. „Jemand, der sich ohne Sprachkenntnisse und ohne Ressourcen auf den Weg in ein fremdes Land macht, muss absolut verzweifelt sein. Wir werden versuchen, diesen Menschen zu helfen, aber gleichzeitig braucht es auch ganz dringend politische Lösungen“, betont sie.

In ganz Baden-Württemberg gibt es 25 Vesperkirchen, die Stuttgarter war die erste und ist mit täglich durchschnittlich 600 Essen die größte.  Rund 250.000 Euro an Spenden werden dafür benötigt. Für Ärger sorgen derzeit Straßensammler der Organisation „Food for you“, die fälschlicherweise vorgeben, für die Vesperkirche Spenden zu sammeln. „Wir machen keine Straßensammlungen“, stellt Karin Ott nachdrücklich fest.

Insgesamt helfen in den sieben Wochen 636 Ehrenamtliche und knapp 20 Hauptamtliche mit. Drei Friseure bieten kostenlos ihre Dienste an und sieben Ärzte halten in einer Kapelle der Leonhardskirche Sprechstunden. „Manchmal braucht es vier Wochen Vesperkirche, vier Wochen Blutdruck messen, bis ein Besucher seine Sorgen und Nöte thematisieren kann“, erzählt die Ärztin Regina Dipper. „Die Vesperkirche ist eine Gemeinschaft, die offen ist für alle Menschen. In der Vesperkirche sind alle zugleich Gast und Gastgeber, Gebende und Nehmende“, sagt Dekan Klaus Käpplinger und fügt an: „Weil wir wissen, dass wir nur dann Gemeinde Jesu Christi sind, wenn bei uns arme Menschen ihren selbstverständlichen Platz haben, laden wir wieder zur Vesperkirche in die Leonhardskirche ein.“

Die Bankverbindung der Vesperkirche: BW Bank, BLZ 600 501 01 Konto 2 464 833
Weitere Infos unter www.vesperkirche.de

Monika Johna