05.03.14

Sieben Wochen als Vision für ein besseres Miteinander

Stuttgart. Am Samstag schließt die Stuttgarter Vesperkirche 2014 – die Zahl der Bedürftigen ist erneut gestiegen. Der Stuttgarter evangelische Stadtdekan Søren Schwesig dankte den über 800 Helfern und Mitarbeitern für ihren Einsatz. Die Vesperkirche biete die Vision, wie das Miteinander auch funktionieren könnte.

Stuttgarter Vesperkirche [Foto: Thomas Rathay]

Am kommenden Samstag, 8. März, schließt die Stuttgarter Vesperkirche 2014. Schon jetzt zogen der Stuttgarter Stadtdekan Søren Schwesig und Karin Ott, Diakonie-Pfarrerin und Vesperkirchen-Leiterin, eine erste Bilanz.

Die Zahl der ausgegebenen Essen ist in den vergangenen vier Jahren um etwa 13 Prozent angestiegen. Überraschend: Obwohl die nun schließende Saison „die wärmste Vesperkirche aller Zeiten war“, wie Ott sagte, ist die Zahl der Bedürftigen erneut rund drei Prozent höher als im Vorjahr: „Das deutet auf eine stetige Verfestigung der Armut auf einem vergleichsweise hohen Niveau hin.“ Insbesondere sei es für die Armen der Gesellschaft äußerst schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden. „Dass wir uns in einem der reichsten Länder der Welt noch immer mit solchen Fragen auseinandersetzen müssen, ist beschämend!“, so Diakonie-Pfarrerin Ott.

Der Stuttgarter Stadtdekan Schwesig dankte den über 800 Helfern und Mitarbeitern für ihren unermüdlichen Einsatz. Sie alle seien auch Botschafter für das Anliegen der Vesperkirche, nämlich Vorurteile gegenüber Armen, Bedürftigen und Einsamen abzubauen. Die sieben Wochen stellten eine Vision dar, wie das Miteinander auch funktionieren könnte, betonte er. Auch wenn die Vesperkirchensaison nun zu Ende gehe, gebe es immer noch die
weiteren Angebote der Diakonie, und die Hoffnung, dass die Vesperkirche helfe, die Belange der Bedürftigen verstärkt in den Fokus der Allgemeinheit zu rücken.

Die Stuttgarter Vesperkirche schließt am Samstag, 8. März, um 16 Uhr mit einem Abschlussgottesdienst mit Landesbischof Frank O. July und Diakonie-Pfarrerin Karin Ott.

Ein Hinweis in eigener Sache: Die Stuttgarter Vesperkirche sammelt zu keinem Zeitpunkt Spenden auf der Straße oder in den Ladengeschäften.

++++++

 

HINTERGRUND: STUTTGARTER VESPERKIRCHE 2014 IN ZAHLEN

Verteilt auf die sieben Wochen der Vesperkirche kamen seit der Eröffnung am 19. Januar rund 810 ehrenamtliche Helfer zum Einsatz – 160 mehr als im vergangenen Jahr.
Insgesamt werden sie dabei bis zum Ende der Saison am 8. März ungefähr 12.000 Arbeitsstunden ableisten. Hinzu kommen die ehrenamtlich Mitarbeitenden im Bereich Hauswirtschaft, ein siebenköpfiges
Ärzteteam sowie – neu in diesem Jahr – eine Zahnärztin. Die beiden Friseure des Vesperkirchen-Teams steuerten rund 200 Haarschnitte bei. Ferner war die Fahrradwerkstatt der Neuen Arbeit vor Ort; es wurde überdies eine kostenlose Impfung von Haustieren angeboten und auch Tierfutter ausgegeben.

2014 wurden durchschnittlich 620 warme Mahlzeiten am Tag ausgegeben (2013: 600, 2010: 540). Dazu kamen täglich rund 500 Vesperbrotbeutel (2013 waren es zirka 470), für die ungefähr 1300 kg Butter, 1500 Kilo Käse und 1350 Kilo Wurst Verwendung fanden.

Über den Schutzraum Vesperkirche, das Essen und Trinken hinaus gab es aber auch Gesprächsangebote und eine Berufsberatung.
Bereits zum 10. Mal fand 2014 die Veranstaltungsserie „Kultur in der Vesperkirche“ statt. Für Kreative wurde wieder eine Schreibwerkstatt abgehalten, und erstmals auch ein Malworkshop.

2014 war auch das Jahr der pfiffigen Spendenaktionen von der Benefiz-Gala „Tischlein-deck’-Dich“ bis zu einem privaten Sockenverkauf. Ein von Schülern organisierter Spendenlauf des Stuttgarter Karlsgymnasiums brachte  11.000 Euro ein.  

Insgesamt benötigt die Vesperkirche 250.000 Euro an Spenden. Wer spenden oder im kommenden Jahr mithelfen möchte, kann telefonisch Kontakt aufnehmen unter 0711/ 2068-181 oder unter E-Mail
karin.ott@elk-wue.de.