23.02.09

Kultur in der Vesperkirche: "Gigantisches Finale"

Zehn Minuten vor Beginn mussten die Tore geschlossen werden beim letzten Konzert der „Kultur in der Vesperkirche“ 2009. Über 800 Konzertbesucher füllten die Leonhardskirche bis auf den letzten Platz.

Ihr letztes Konzert gaben sie für die Vesperkirche: "Los Gigantes" / Foto: Gerd Schweikert

Und wurden nicht enttäuscht. Das Duo „Los Gigantes“ (Stefan Hiss und Ralf Groher) beherrschte sein musikalisches Hand- und Mundwerk. Während Hiss am Akkordeon dafür sorgte, dass die Musik vorwärts pulsierte und mit seiner Reibeisenstimme herrlich schräge Songs über das einsame Cowboyleben in der texanischen Einöde oder über die Sehnsucht nach einer Mexikanerin namens Juanita intonierte, ließ Groher mal die Melodielinien im Stil eines Barjazzers perlen, mal ließ er seine Trompete latino-schmissig bratzen.

 

Das Konzert führte dorthin, wo Blues und Bolero sich begegnen, wo Country und Cumbia kollidieren, dorthin, wo Tex auf Mex trifft. Im Lauf des Abends erfuhr man sodann von den selbsternannten Tex-Mexperten, dass Memphis/Tennessee, der Sehnsuchtsort jedes gestandenen Unterhaltungsmusikers, aus der Nähe betrachtet ungefähr den Charme von Waldorfhäslach habe. Genauer gesagt: des Gewerbegebietes von Waldorfhäslach.

 

Auch gewichtige Themen wie die Naturbetrachtung in Amerikas Süden bekamen ihren Raum: „Wir haben Schmeißfliegen bei der Arbeit zugesehen“, berichteten die „Giganten“.

 

Und die Liebe kam vor, natürlich. Verliebte Männer sind bekanntlich zu allem fähig. „Sie waschen ihren Wagen nicht mehr, sie vernachlässigen ihre Frau.“ Und sie suchen nach Juanita. Im Telefonbuch einer Millionenstadt. Dummerweise unter „H“.

 

Zwei Männer, die ihre Musik lieben, sind aber auch zu allerhand fähig. Beispielsweise, neben Klamauk und Machoritualen, in der Zugabe zu einer wunderschönen Ballade: „Ships go out“, zärtliche Töne, verschämtes Tränen-aus-den-Augenwinkeln-Wischen im Publikum.

 

Es war das letzte Konzert von „Los Gigantes“. Für Ralf Groher nicht nur deshalb ein besonderes: „Die Stimmung in der Kirche war beinahe feierlich. Die Leute haben aufmerksam zugehört. Es war ideal – konzertanter kann man es sich nicht wünschen!“