18.01.09

„Es ist genug für alle da“ und „die Dinge werden mehr wenn wir sie teilen“

Wer verteilt denn die Dinge so ungerecht, wenn von allem genug da ist? Und: Teilen wir vielleicht lieber materielle Dinge als Zeit, Gefühle, Emotionen? Die Vesperkirche mit ihren vielen ehrenamtlichen Helfern gibt eine gute Antwort auf diese Frage... Ein Tagebucheintrag von Veronika Kienzle, Bezirksvorsteherin Stuttgart-Mitte

Genug ist nicht genug! Gerne bin ich zur 15. Eröffnung der Vesperkirche gekommen. Zusammen mit meiner Tochter, deren Freundin und meiner bosnischen Freundin.

 

Natürlich muss in einem reichen Land und in einer Stadt wie Stuttgart auch ohne Vesperkirche eigentlich niemand hungern oder auf der Straße schlafen. Ein engmaschiges Hilfenetz  bietet  jedem Hilfesuchenden einen Platz in der Notübernachtung oder einen Lebensmittelgutschein. Aber können wir uns damit beruhigen? Was ist "genug"?


So bietet die Vesperkirche auch uns einen Raum, in dem wir, die wir augenscheinlich von allem genügend viel zur Verfügung haben, nachdenken können: Wer verteilt denn die Dinge so ungerecht, wenn von allem genug da ist? Und: Teilen wir vielleicht lieber materielle Dinge als Zeit, Gefühle, Emotionen? Die Vesperkirche mit ihren vielen ehrenamtlichen Helfern gibt eine gute Antwort auf diese Frage: Der Mensch braucht ein Dach über dem Kopf und eine warme Suppe in den Bauch. Er braucht aber genauso dringend Mitmenschen, die ihre Zeit teilen, die sich mitteilen und ihm zuwenden. Die Vesperkirche verbindet und bietet Gemeinschaft und zeigt auch Möglichkeiten auf, selbst etwas zu tun!


Ich wünsche der Vesperkirche 2009, den Helferinnen und Helfern wie den Bedürftigen, eine gute gemeinsame Zeit.