05.02.09

Große Klasse

Am vergangenen Mittwoch war es also soweit: Ich besuchte zum ersten Mal die Vesperkirche. Ein Kollege hatte schon länger davon erzählt und mich mitgenommen...

Ein bisschen mulmig ist mir schon zumute. Schließlich gehen wir in eine Kirche. Dort wird normalerweise Gottesdienst gefeiert. Jetzt sind im hinteren Bereich die Kirchenbänke abmontiert und abtransportiert, an ihrer Stelle finden sich lange Reihen mit Tischen und Stühlen. Am Rand die Essensausgabe.


Was mich auch eher bedenklich stimmte: Darf ich denen, die das Angebot brauchen, etwas wegnehmen? Dieser Gedanke verflüchtigt sich schnell: Die Vesperkirche freut sich auch über Leute, die das Projekt finanziell unterstützen können. Außerdem sollen sich ja Menschen aus den verschiedenen Schichten treffen, unterhalten, kennen lernen.

 

Mulmige Gefühle verwandeln sich in Freude

Und auch das andere mulmige Gefühl – Kirchenbank raus, Esstisch rein – verwandelt sich beim Betreten der Kirche in Freude. Freude darüber, dass das möglich ist. Denn da ist die Gemeinschaft der Menschen untereinander, die kommen dürfen, so wie sie sind. Da ist das gute Essen, die freundlichen Mitarbeiter. An der Essensausgabe ist kein Gedränge – es ist genug für alle da. Da ist die Freiheit: Gäste spielen nach dem Essen Schach miteinander, andere stehen draußen vor der Kirche und rauchen eine Zigarette. Die Selbstverständlichkeit, mit der Hilfe geschieht: Mittags kommt der Arzt und hält Sprechstunde. Immer ist jemand da, dem man - so man möchte - seine Sorgen anvertrauen kann. Nichts Spektakuläres, aber friedliches Miteinander, Alltag ohne Stress. Hilfe für den, der sie braucht. 

 

Und das alles unter dem Kirchendach – im wörtlichen Sinne. Ich bin sehr beeindruckt und begeistert. Dass so etwas möglich ist, finde ich große Klasse.