30.10.08

"Geborgenheit ist wohl das richtige Wort"

Letztes Jahr vereinbarte ich also meine Termine für die Vesperkirche. An meinem ersten Arbeitstag bin ich nervös. Was erwartet mich, welche Probleme stürzen auf mich ein...? Ich bin überrascht. Eine sehr ruhige, angenehme Stimmung erwartet mich in der Kirche...

Lange Zeit hatte ich es schon vor aber wie das so ist... Aktiv werden, um mitzumachen, mitzuhelfen braucht einen Impuls, um das Telefon in die Hand zu nehmen...

 

Letztes Jahr vereinbarte ich also meine Termine für die Vesperkirche. An meinem ersten Arbeitstag bin ich nervös. Was erwartet mich, welche Probleme stürzen auf mich ein...? Ich bin überrascht. Eine sehr ruhige, angenehme Stimmung erwartet mich in der Kirche. Die Gäste kommen, um sich aufzuwärmen bei einer Tasse Kaffee oder Tee, um in Ruhe Zeitung zu lesen, oder auch mit einer kurzen Unterhaltung den Tag zu beginnen. Geborgenheit ist wohl das richtige Wort für diese Atmosphäre.

 

Im Laufe des Tages wird die Kirchensituation lebendiger, längere Gespräche zwischen Diakon und Gast, zwischen Ehrenamtlichem und Ratsuchendem finden statt. Für viele kleine und große Nöte werden Lösungen gesucht und auch gefunden. Ob eine Vereinbarung über Rückzahlung der Essensgutscheine getroffen wird, weil der Geldbeutel schon Mitte des Monats leer ist, oder eine Reise zum schwer kranken Angehörigen organisiert werden muss, Menschen kommen mit Menschen ins Gespräch.

 

Über die Mittagessenszeit pulsiert der Kirchenraum. Es duftet nach Essen und eine lange Schlange reiht sich ordentlich durch das Kirchenschiff. Viele Hände kümmern sich um die Ausgabe der Mahlzeiten, hier ein bisschen mehr Soße und hier bitte weniger Kartoffeln.

 

Jeder kann soviel essen, bis er satt ist. Parallel dazu werden schon seit dem Vormittag Vesperbrote gerichtet. Auch da wird uns Broteschmierern gezeigt, wie denn das „ordentlich“ gemacht wird! Die Butter dick und bis zum Rand schmieren, die Wurst und den Käse nicht zu knapp auflegen... Die belegten Brote nehmen die Gäste am Nachmittag mit, wenn die Kirche nach einem täglichen Gottesdienst wieder bis zum nächsten Morgen schließt. Wenn ich die Kirche verlasse, gehe ich wieder in meine Welt, die so ganz anders ist.

 

Was ich mitnehme, ist etwas Zufriedenes, ein Gefühl des „miteinander satt Werdens“. Ich halte noch einen kurzen Schwatz vor dem Eingang mit dem einen oder anderen Gast, mit dem mich im Kirchenraum ein Gespräch oder auch ein scherzhafter Augenblick verbunden hat. Ich gehe weiter und freue mich auf den nächsten Dienst in der Vesperkirche. Während des Sommers habe ich ab und zu zufällig ein bekanntes Gesicht aus der Vesperkirche in der Stadt getroffen. Das Gespräch, das dann stattfindet, tut gut, die Begegnung mit einem Lächeln, ein kurzer Austausch, ganz einfach auch hier zwischen Mensch und Mensch.