01.02.08

Drei Begegnungen

Vesperkirchen-Pfarrer Martin Friz erzählt mir von den Menschen, die hierher kommen: arme, alte, kranke, einsame, arbeitslose Leute.

Und es sind in diesem Jahr wieder mehr geworden: ca. 80 Vesperkirchen-Gäste mehr pro Tag als letztes Mal! Aber: „Glücklich und zufrieden kann ich natürlich nicht sein, wenn immer mehr Menschen in die Vesperkirche kommen“, sagt der Pfarrer.

Denn: Mehr Gäste bedeutet auch mehr Armut!


Als nächstes treffe ich auf den Vesperkirchen-Doktor Fritz Franck.

Er ist Allgemeinmediziner und kümmert sich um die Vesperkirchen-Gäste.

Jahr für Jahr sind es dieselben Krankheiten: Erkältungen, Lungenentzündung, Abszesse, Durchblutungsstörungen, Diabetes usw.

„Es kommen auch viele Menschen mit psychischen Problemen“, sagt der Arzt.

Dann wollen seine Patienten manchmal nur reden.

Ein offenes Ohr ist wichtig in der Vesperkirche!


Dann setze ich mich an einen der vielen Essenstische in der Vesperkirche zu einer Frau. Sie ist arbeitslos und kommt jeden Tag in die Vesperkirche.

„Wegen dem warmen Essen und man kann hier alte Freunde treffen“, erzählt sie.

Auch der Gottesdienst ist ihr wichtig.

Dann erwähnt sie noch ihre vier Kinder, spricht von einer gescheiterten Ehe und von ihrer jahrelangen Drogenabhängigkeit. Sie schaut müde und traurig aus.


Als ich die Vesperkirche verlasse, bin ich froh! Etwas Schweres fällt von mir ab.

Außerhalb der Kirche ist die Luft scheinbar klarer, leichter, fröhlicher.

Aber wenn ich über meinen Vesperkirchen-Aufenthalt nachdenke, muss ich feststellen: Das echte Leben spielt sich IN der Kirche ab!

Ich werde auf jeden Fall nicht das letzte Mal dort gewesen sein…