09.02.07

Ein zweiter Besuch -

Heute ging es ein weiteres Mal in die Vesperkirche. Viel hat sich nicht geändert. Menschen reden, essen und ruhen sich aus.

 

 

Anfangs war er noch etwas scheu. Er wusste nicht, wie er die Leute behandeln soll, die zu ihm kommen und etwas zu trinken wollen. Nach einer Woche war es für ihn einfacher. Er muss kein gezwungenes Lächeln aufsetzen, oder übermäßig freundlich rüberkommen. Er muss nur ganz er selbst sein. Die Arbeit lohnt sich für Tim. Er lernt viel über den Umgang mit Menschen und er merkt, dass oft nur ein kleines Lächeln oder ein nettes Wort die Laune der Besucher hebt. Denn ernst genommen zu werden ist für sie sehr wichtig.

 

Einen positiven Beigeschmack hat dieses Praktikum für Tim auch noch: Der ausfallende Unterricht zum Beispiel und eine gute Note für den Religionsunterricht. Warum Tim ausgerechnet in die Vesperkirche wollte weiß er auch genau: „Etwas wie Alltag gibt es hier für mich nicht. Und das ist wichtig. Es gibt doch nichts Schlimmeres, als jeden Tag das gleiche zu tun. Außerdem kann ich hier einmal die andere Seite des Lebens kennen lernen" sagt er. Und das tut er auch. Aber eine gewisse Routine gibt es doch für ihn. Er sieht fast täglich die gleichen Gesichter. Und einige Besucher grüßen ihn schon mit Namen. Ist doch bestimmt ein nettes Gefühl, wenn man einmal durch die Stadt läuft und jemanden wieder trifft, den man während der Vesperkirchen-Aktion kennen gelernt hat. Man grüßt sich eher freundschaftlich, als das einem die leere Hand zum Betteln entgegen gestreckt wird.

Für manche Besucher schon gemütlicher Alltag. Für die freiwilligen Mitarbeiter ist die Arbeit allerdings nicht so entspannend. Sie geben so schnell es geht Essen aus oder schenken geschäftig Kaffee nach. So wie Tim. Er macht ein zweiwöchiges Sozialpraktikum in der Vesperkirche. Der Elftklässler hat viel zu tun. Tassen greifen, voll machen, lächeln und rüberreichen. Und das am laufenden Band.