Menschliche Wärme und Seelsorge


"Jeder darf zu uns kommen, wie er ist, wie er geworden ist – und so darf er auch wieder gehen, wenn er will." Dies war von Anfang an oberstes Prinzip der Aktion Vesperkirche. Daraus entstanden nach anfänglich distanzierten und unsicheren Höflichkeiten teilnehmende Gespräche, Begegnungen von Mensch zu Mensch. Ins Gesicht geschriebene Lebensgeschichten bekamen einen Namen, Armut ein Gesicht: sich heran tasten, annähern, kennen lernen, Anteil nehmen – Offenheit füreinander, miteinander lachen und traurig sein, gemeinsam leben auf Zeit. Klischees schwinden, Vorurteile bröckeln – auf beiden Seiten.
 
Menschen, die sonst nie zueinander gefunden hätten, begegnen sich in gegenseitiger Achtung. Da sind die, die sich freiwillig Tag für Tag Zeit nehmen, um zuzuhören, zu helfen, einfach da zu sein – keine
Selbstverständlichkeit für aus der Gesellschaft ausgestoßene, einsame, verachtete Menschen. Nachdenklichkeit über das eigene Wohlergehen und die messerscharfe Grenze zwischen dem eigenen Leben und das derer, die zur rechten Zeit keinen Menschen hatten, der sie begleitet hat, ihr Schicksal mitgetragen hat, für sie da war. Nähe lässt diese Grenze verschwimmen: Die von Gott gegebenen Menschenwürde ist es, die keinen besser macht, keinem ein wirklich angeseheneres Leben und Schicksal beschert. Menschliche Wärme macht aus menschenwürdigen Begegnungen Seelsorge – für beide Seiten der haarscharfen Grenze: Gottesdienst, der den ganzen Menschen berührt.