Durch Aktionen und feste Angebote zur Begegnung wird dieser Aspekt noch gestärkt. Da kochen Gruppen für die Gäste der Vesperkirche oder ein Bankhaus schickt seine Auszubildenen, um ihnen andere Lebenswirklichkeiten jenseits von „Aktiva und Passiva“ nahe zu bringen. Einige dieser Aktionen stellen wir Ihnen hier vor.

Ersan Ertürk hat zu den Klängen seiner Saz gesungen. Foto: Achim Zweygarth (Stuttgarter Zeitung)
Die vielen Tische in der Leonhardskirche waren voll: Brot und Oliven, Sprudel und Traubensaft standen für die mehr als 150 Menschen bereit, die dem Aufruf von Nilgün Tasman gefolgt und zu ihrer dritten Aktion "Tischlein deck dich" gekommen waren. Im Kirchenraum saßen Bedürftige neben zahlenden Gästen. Am Ende überreichte Nilgün Tasman einen Suppentopf mit 8009,70 Euro an die Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann, die ihn gleich an Pfarrerin Karin Ott weitergab. Der Betrag kommt - nach Abzug von rund 500 Euro Kosten - der Stuttgarter Vesperkirche zugute, die in diesem Jahr zum 17. Mal zwischen Januar und März täglich Essen für Bedürftige ausgibt.
Nilgün Tasmans Engagement für die Vesperkirche wurde vor fünf Jahren von einer Begegnung inspiriert. Sie traf auf der Straße eine junge türkische Mutter, die mit ihrem Kind zur Essensausgabe in die Kirche ging. Nur widerwillig ließ sich die Frau auf ein Gespräch ein: "Besonders im türkischen Kulturkreis ist es schwer, Hilfe anzunehmen", erzählt Nilgün Tasman.
Vor drei Jahren hat Tasman dann "Tischlein deck dich" ins Leben gerufen. Tasman: "Dieses Mal ist es besonders leicht gewesen, alles zu organisieren." Ein Anruf, und die Paul-Lechler-Stiftung erklärte sich bereit, die Zutaten für den türkischen Bohneneintopf zu sponsern, den Tasman im Restaurant Plenum mit Freunden zubereitet hat. Die Getränke kamen von der Familie Aldinger sowie von Ensinger. Auch Stefan Wolf von der Elring-Klinger AG brachte sich ein. Der türkische Generalkonsul M. Türker Ari spendete das Brot.
An Unterhaltung hat Tasman auch gedacht. Neben ihrem Neffen Ersan Ertürk, der zu Klängen auf seiner Saz Türkisch sang, trat auch ihr Mann Hans Ulrich Scholpp mit Gitarre und einem Chor aus Freunden auf. Witzig wurde es, als Ernst Mantel Teile aus seinem Soloprogramm "Unernst" zum Besten gab. Da musste sich so manch einer den Bauch vor Lachen halten - bei einer Parodie auf Günther Oettinger etwa und später beim Rollenspiel um einen Opa, der mit seinem Enkel Anthony zum Arzt geht. Diese Nummer hatte sich Nilgün Tasman eigens gewünscht.
Text: Claudia Leihenseder (mit freundlicher Genehmigung der Stuttgarter Zeitung)

Der „Benefiz-Buchautor“ Michel l’Allemand und „Schätzle“ leben einen großen Teil des Jahres als „schwäbische Franzosen“ in Südfrankreich, wo sie Motorradreisen organisieren. Trotz – oder gerade wegen diesem vermeintlich „schönen Leben auf der Sonnenseite des Lebens“ engagieren sich die Beiden seit Jahren im Winter für die Vesperkirche Stuttgart.
Unter dem Titel „Germany: seven points“ veröffentlichte Michel im Oktober sein zweites Buch mit Motorradgeschichten und Anekdoten aus einem bisher 38-jährigen Motorradfahrerleben. Gute-Nacht-Geschichten zum Schmunzeln, nicht nur für Motorradfahrer. Der Profit auch dieses zweiten, nur über
www.MichellAllemand.de zu bestellende Buch war und ist für die Vesperkirche Stuttgart bestimmt. In der kurzen Zeit vor Weihnachten kamen nun immerhin 500 Euro zusammen, die von Michel kurzerhand verdoppelt wurde. So konnte Diakoniepfarrerin Karin Ott, Leiterin der Vesperkirche, am 3. Januar 2011 eine weitere Spende in Höhe von 1000 Euro entgegen nehmen. Die Aktion läuft über das Jahr 2011 weiter. Bücher können bei www.MichellAllemand.de bestellt werden.

Süßer Gruß aus Aidlingen / Foto: Schweizer
Seit fünf Jahren kommt Dieter Ruf mit einer Schülergruppe in die Stuttgarter Vesperkirche. „Wir machen das im Rahmen des Projektes über Soziales Lernen“, berichtet der Schulleiter und Religionslehrer der Werkrealschule Sonnenbergschule. „Es geht uns um Sensibilisierung. Die Schüler sollen mitdenken, mitfühlen und handeln. Sie bekommen hier die Chance, sich mit Menschen am Rand der Gesellschaft auseinanderzusetzen.“
Handeln bedeutet in diesem Fall, dass die 32 Schülerinnen und Schüler – oder ihre Mütter – Kuchen und Gebäck für die Vesperkirche gebacken haben. Diese Bereicherung des Speiseplans wurde von vielen Vesperkirchgästen mit Applaus angenommen.
„Ich find’s gut, dass wir hier sind“, sagt Schüler Marlin Reichert. Er freut sich, „Armen Menschen, Behinderten, Leuten mit Aids helfen zu können.“ Sein Eindruck nach dem ersten Besuch der Stuttgarter Vesperkirche: „Hier sind alle sehr freundlich. Die Menschen haben eine tolle Ausstrahlung“. Mit seinem Nebensitzer hat er rasch ein gemeinsames Thema gefunden: „Wir haben über Fußball geredet.“

Ursula und Albrecht Schury sammeln für die Vesperkirche
Ursula und Albrecht Schury sammeln in Zuffenhausen für die Vesperkirche
Von Mitte Januar bis Mitte Februar sammeln Ursula und Albrecht Schury in Zuffenhausen Spenden für die Vesperkirche. Abwechselnd besuchen sie die Sonntags-Gottesdienste in der Johannes-, Paulus- und Michaelskirche, meist sind die Schury und ihre Aktion eine Woche zuvor angekündigt worden. Dann stellen sich Box, Infomaterial und Kulturprogramm vor die Kirche. Seit acht Jahren engagieren sich beide. In den vergangenen drei Jahren kamen allein 5.000 Euro zusammen.
Viele spenden spontan, wenn sie die Schurys sehen: "Eine Frau kam mit zehn Euro, die sie eigentlich für den nachmittäglichen Kuchen ausgeben wollte und sagte: es gibt keinen Kuchen, das Geld geht an die Vesperkirche", das, sagt Albrecht Schury, seien schöne Momente. Er und seine Frau sind seit vielen Jahren im Kirchengemeinderat und ehrenamtlich als Betreuer für Pflegefälle tätig. "Wir sind Lobbyisten für alte und kranke Menschen", sagen beiden.
Als selbstständige Unternehmer eines Haushalts- und Spielwarengeschäfts sei es jahrelang immer nur um den Umsatz gegangen, sagt Albrecht Schury: "Da wollte ich etwas für Menschen tun." Beide beeindruckt, dass sich die Vesperkirche allein aus Spenden finanziert. In Zuffenhausen unterstützen auch der Frauentreff, der Männerkreis, der Treffpunkt, ein Handarbeitskreis und das Sonntagscafé die Sammelaktion der Schury. Zuffenhausen steht hinter der Vesperkirche", haben Ursula und Albrecht Schury erlebt.

Gaisburger-Marsch-Essen in Loßburg. Der Erlös ging an die Vesperkirche.
In Loßburg lassen sich die Konfirmanden Jahr für Jahr was Neues einfallen, um die Vesperkirche zu unterstützen.
Fleißig waren die Konfirmanden aus Loßburg: 180 Brote hatten sie gebacken und ein großes Gaisburger-Marsch-Essen im Gemeindehaus organisiert. Der Erlös von 1.900 Euro ging an die Vesperkirche. Mit ihrem Pfarrer Eberhard Feucht reisten die Konfirmanden mit dem Zug aus dem Schwarzwald an, um einen Tag in der Vesperkirche dabeisein zu können.
"Wenn wir mitessen, dann nehmen wir doch anderen das Essen weg, die es viel nötiger haben?" Maximilian und seine Freunde drückt der Gedanke sehr. Es ist halb eins und die Loßburger Jugendlichen hatten sich alles über Vesperkirche erklären lassen. Jetzt geht es ans Mittagessen und die Frage "Nehmen wir anderen da nicht was weg?" steht im Raum. Diakonin Birgit Klein kann beruhigen: "Es sind genügend Essen für alle da. Hier muss niemand hungrig gehen. Es geht ja darum, Leben zu teilen und beim Essen kommt ihr mit den Gästen prima ins Gespräch." Aufatmen bei Maximilian. Nikolai bleibt noch zurückhaltend. Er mag nichts essen. Schließlich sitzt er mit Mathias und Timo an einem Tisch und kann es kaum glauben: "Es war lustig, wir haben eine Frau kennen gelernt, die mal ein Jahr lang in Loßburg gelebt hat!"
Seit einigen Jahren bereits lassen sich Konfirmandengruppen um Eberhard Feucht, Pfarrer an der Versöhnungskirche, immer wieder etwas Neues einfallen, um die Vesperkirche in Stuttgart zu unterstützen. "Wir backen das Brot zusammen mit dem Backhäusle-Verein und die Eltern haben den Konfirmanden beim Kochen geholfen."
In Loßburg ist die Vesperkirchen-Aktion eine große Gemeinschaftstat der 8.000 Einwohner. "Wir gestalten einen Gottesdienst zum Thema Vesperkirche und dieses Jahr gab es anschließend erstmals ein gemeinsames Mittagessen. Alle sind hochengagiert", freut sich Pfarrer Feucht.