Vesperkirche ist ein Ort der Begegnung


Durch Aktionen und feste Angebote zur Begegnung wird dieser Aspekt noch gestärkt. Da kochen Gruppen für die Gäste der Vesperkirche oder ein Bankhaus schickt seine Auszubildenen, um ihnen andere Lebenswirklichkeiten jenseits von „Aktiva und Passiva“ nahe zu bringen. Einige dieser Aktionen stellen wir Ihnen hier vor.


Süße Lieferung von der Sonnenbergschule Aidlingen

Seit fünf Jahren kommt Dieter Ruf mit einer Schülergruppe in die Stuttgarter Vesperkirche. „Wir machen das im Rahmen des Projektes über Soziales Lernen“, berichtet der Schulleiter und Religionslehrer der Werkrealschule Sonnenbergschule. „Es geht uns um Sensibilisierung. Die Schüler sollen mitdenken, mitfühlen und handeln. Sie bekommen hier die Chance, sich mit Menschen am Rand der Gesellschaft auseinanderzusetzen.“

Handeln bedeutet in diesem Fall, dass die 32 Schülerinnen und Schüler – oder ihre Mütter – Kuchen und Gebäck für die Vesperkirche gebacken haben. Diese Bereicherung des Speiseplans wurde von vielen Vesperkirchgästen mit Applaus angenommen.

„Ich find’s gut, dass wir hier sind“, sagt Schüler Marlin Reichert. Er freut sich, „Armen Menschen, Behinderten, Leuten mit Aids helfen zu können.“ Sein Eindruck nach dem ersten Besuch der Stuttgarter Vesperkirche: „Hier sind alle sehr freundlich. Die Menschen haben eine tolle Ausstrahlung“. Mit seinem Nebensitzer hat er rasch ein gemeinsames Thema gefunden: „Wir haben über Fußball geredet.“


Tischlein deck dich

„Als Bürgermeisterin für Bildung und Kultur begegnet mir Nilgün Tasman oft. Sie ist ungemein präsent“, sagte Stuttgarts Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann in ihrem Grußwort bei „Tischlein deck dich“, der Benefizveranstaltung in der Stuttgarter Vesperkirche. Sehr präsent war die schwäbische Autorin mit türkischen Wurzeln am Abend des 10. Februar 2010, als rund 100 Besucherinnen und Besucher auf Einladung Nilgün Tasmans in die Vesperkirche kamen.

Tasman las aus ihrem Buch „Ich träume deutsch“, Musiker Heiner Reiff entführte zwischendurch auf eine musikalische Reise, beispielsweise im Ford Taunus nach Istanbul. „Wir hatten den schönsten Ford Taunus der Welt, und mit dem sind wir jedes Jahr drei Tage lang bis Istanbul unterwegs gewesen“, berichtet Tasman aus ihrer Kindheit.

Missverständnisse sind oft ärgerlich. Doch wenn Nilgün Tasman schmunzelnd von Kommunikationspannen zwischen Deutschen und Türken erzählt, klären sich die Anekdoten zu einem befreienden Lachen. Wenn sich etwa das leckere türkische „Meklebek“, von dem eine türkeibegeisterte Freundin schwärmt, sich als Versuch der türkischen Verkäuferin entpuppt, das Wort „Mehlgebäck“ zu artikulieren.

Durch Zufall ist Nilgün Tasman vor einigen Jahren auf die Vesperkirche aufmerksam geworden. Eigentlich wollte sie in ein nahe gelegenes, edles Kaufhaus. Doch der rege Betrieb an der Leonhardskirche weckte ihre Neugier. Sie schnupperte in die Vesperkirche rein – und war so begeistert, dass sie den Einkauf glatt vergaß. „Und das will was heißen – das werden Ihnen meine Freundinnen gerne bestätigt“, sagt sie lachend. Seither ist Tasman begeisterte Unterstützerin der Vesperkirche. Letztes Jahr organisierte sie ein erstes „Tischlein deck dich“ mit Leckereien und Musik.

In diesem Jahr wurde sie von den „Bosporusschwaben“ unterstützt. Gemeinsam kochten sie 300 Portionen türkische Linsensuppe. Die charmante Frau gewann viele weitere Unterstützer: Der türkische Generalkonsul Ümit Yardim spendete Brot, Weingut Aldinger die Säfte, Ensinger Mineralwasser das Wasser, und Getränke Beilharz übernahm die kostenlose Anlieferung. Im Lauf des Abends wurde außerdem ein Gemälde von Tasmans Ehemann Hans Ulrich Scholpp versteigert.

Diakoniepfarrerin Karin Ott, die Leiterin der Vesperkirche, bedankte sich bei Nilgün Tasman: „Brücken schlagen zwischen den Kulturen – dafür stehst du mit deiner ganzen Persönlichkeit.“ So ein Brückenschlag entspreche dem Geist der Vesperkirche: „Die Vesperkirche ist gedacht als ein Ort, wo Menschen für Menschen da sind. Ein Ort für Begegnungen, Gespräche, Zuwendung und Gemeinschaft. Ein Ort, um ein Zeichen zu setzen, dass die Würde eines jeden unantastbar ist, egal, wer er ist oder was er hat.“

Das Ergebnis des Benefizabends: knapp 5.000 Euro Erlös – und 100 vergnügte Menschen.


Lobbyisten für alte und kranke Menschen

Ursula und Albrecht Schury sammeln in Zuffenhausen für die Vesperkirche
 
Von Mitte Januar bis Mitte Februar sammeln Ursula und Albrecht Schury in Zuffenhausen Spenden für die Vesperkirche. Abwechselnd besuchen sie die Sonntags-Gottesdienste in der Johannes-, Paulus- und Michaelskirche, meist sind die Schury und ihre Aktion eine Woche zuvor angekündigt worden. Dann stellen sich Box, Infomaterial und Kulturprogramm vor die Kirche. Seit acht Jahren engagieren sich beide. In den vergangenen drei Jahren kamen allein 5.000 Euro zusammen.
 
 
Viele spenden spontan, wenn sie die Schurys sehen: "Eine Frau kam mit zehn Euro, die sie eigentlich für den nachmittäglichen Kuchen ausgeben wollte und sagte: es gibt keinen Kuchen, das Geld geht an die Vesperkirche", das, sagt Albrecht Schury, seien schöne Momente. Er und seine Frau sind seit vielen Jahren im Kirchengemeinderat und ehrenamtlich als Betreuer für Pflegefälle tätig. "Wir sind Lobbyisten für alte und kranke Menschen", sagen beiden.
 
 
Als selbstständige Unternehmer eines Haushalts- und Spielwarengeschäfts sei es jahrelang immer nur um den Umsatz gegangen, sagt Albrecht Schury: "Da wollte ich etwas für Menschen tun." Beide beeindruckt, dass sich die Vesperkirche allein aus Spenden finanziert. In Zuffenhausen unterstützen auch der Frauentreff, der Männerkreis, der Treffpunkt, ein Handarbeitskreis und das Sonntagscafé die Sammelaktion der Schury. Zuffenhausen steht hinter der Vesperkirche", haben Ursula und Albrecht Schury erlebt.


Gaisburger-Marsch und Holzofenbrot

In Loßburg lassen sich die Konfirmanden Jahr für Jahr was Neues einfallen, um die Vesperkirche zu unterstützen.
Fleißig waren die Konfirmanden aus Loßburg: 180 Brote hatten sie gebacken und ein großes Gaisburger-Marsch-Essen im Gemeindehaus organisiert. Der Erlös von 1.900 Euro ging an die Vesperkirche. Mit ihrem Pfarrer Eberhard Feucht reisten die Konfirmanden mit dem Zug aus dem Schwarzwald an, um einen Tag in der Vesperkirche dabeisein zu können.

"Wenn wir mitessen, dann nehmen wir doch anderen das Essen weg, die es viel nötiger haben?" Maximilian und seine Freunde drückt der Gedanke sehr. Es ist halb eins und die Loßburger Jugendlichen hatten sich alles über Vesperkirche erklären lassen. Jetzt geht es ans Mittagessen und die Frage "Nehmen wir anderen da nicht was weg?" steht im Raum. Diakonin Birgit Klein kann beruhigen: "Es sind genügend Essen für alle da. Hier muss niemand hungrig gehen. Es geht ja darum, Leben zu teilen und beim Essen kommt ihr mit den Gästen prima ins Gespräch." Aufatmen bei Maximilian. Nikolai bleibt noch zurückhaltend. Er mag nichts essen. Schließlich sitzt er mit Mathias und Timo an einem Tisch und kann es kaum glauben: "Es war lustig, wir haben eine Frau kennen gelernt, die mal ein Jahr lang in Loßburg gelebt hat!" 
 
Seit einigen Jahren bereits lassen sich Konfirmandengruppen um Eberhard Feucht, Pfarrer an der Versöhnungskirche, immer wieder etwas Neues einfallen, um die Vesperkirche in Stuttgart zu unterstützen. "Wir backen das Brot zusammen mit dem Backhäusle-Verein und die Eltern haben den Konfirmanden beim Kochen geholfen." 

In Loßburg ist die Vesperkirchen-Aktion eine große Gemeinschaftstat der 8.000 Einwohner. "Wir gestalten einen Gottesdienst zum Thema Vesperkirche und dieses Jahr gab es anschließend erstmals ein gemeinsames Mittagessen. Alle sind hochengagiert", freut sich Pfarrer Feucht.


Azubis verkaufen Orangen

Die Auszubildenden des Vaihinger Elektro-Großhandels Bachmann, Dominique Raspe, Vanessa Siska und Katja Dundic, hatten bereits vor Weihnachten in ihrer Firma eine Aktion für die Vesperkirche gestartet. Zuerst sind die drei aber zum Großmarkt gedüst, um dort sie Orangen zu ordern. „Als wir erzählten, dass wir die Orangen verkaufen und den Erlös der Vesperkirche spenden, bekamen wir das Obst so“, freuten sich die drei.
 
In der Firma hatten sie mit Erlaubnis der Geschäftsleitung einen Stand aufgebaut, Plakat und Text mit Informationen zur Vesperkirche gestaltet und eifrig gesunde Vitamine an die Kollegen verkauft; die Firmenleitung noch was draufgelegt und so kamen 500 Euro zusammen. Zur symbolischen Schecküberreichung kamen Dominique, Vanessa und Katja spontan im Diakoniepfarramt vorbei.