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09.02.2016

Fankalender sorgt für große Freude

Es war das erste Mal, dass Diakoniepfarrerin Karin Ott in die Mercedes-Benz-Arena gegangen ist. Bisher habe es sie dort nicht so hingezogen, gestand sie am Rande. Aber am letzten Samstag im Januar gab es für sie und ihre Begleiter reichlich Grund zur Freude dort im Stadion. Wobei es nicht unbedingt am Spiel lag. Klar, dass der VfB  gewonnen hat, das war schon schön. Das war es jetzt aber doch nicht, was Karin Ott und ihre Begleiter so zum Strahlen gebracht hat. Für die kleine Gruppe war das -  die eingefleischten VfB-Fans mögen es nachsehen - eigentlich nur Nebensache. Viel wichtiger war, dass Karin Ott zusammen mit ihrem Begleitteam vor dem Anpfiff im Innenraum des Stadions einen Scheck vom Commando Cannstatt für die Vesperkirche über 14 500 Euro in Empfang nehmen durfte. Und besonders schön an dieser Sache war, dass die Mitglieder des Fanclubs im Vorfeld per Voting beschlossen hatten, den Erlös ihres Kalenderverkaufs in diesem Jahr der Vesperkirche zugute kommen zu lassen. Eine breite Unterstützung, die beeindruckt und guttut.
Die Fördergruppe Commando Cannstatt e.V. hat zum elften Mal einen Fankalender verkauft. Von den neun Euro des Kaufpreises kommt der Erlös alljährlich einer karitativen Einrichtung zugute, die Summe war dieses Mal so hoch wie noch nie. „Für die VfB-Fans sind diese Kalenderbilder toll. Und wir wollen etwas abgeben, wollen mit anderen teilen“, erklärt Commando-Mitglied Michael Kneissler. In einem Forum konnten die Mitglieder im November 2015 zwischen sechs Einrichtungen wählen und darüber abstimmen, welche Institution den Erlös aus dem Kalenderverkauf bekommen sollte. Gleichzeitig wurden an fünf Heimspieltagen im Herbst von mobilen Verkaufsteams die Kalender verkauft. Das Commando Cannstatt wurde 1997 gegründet und bildet die größte Gruppe unter den Fanclubs.
„Die Cannstatter Kurve ist unser Lebensmittelpunkt, sie hat enorme Strahlkraft“ sagt Michael Kneissler. Sie sei das Wohnzimmer eines jeden VfB-Fans, erläutert das Commando-Mitglied. Im Wohnzimmer selbst tummeln sich ganz unterschiedliche Menschen, „den“ VfB-Fan im klassischen Sinne gibt es nicht. „In der Cannstatter Kurve haben wir Familienväter, Fans mit Kutte und Ultras, und alle finden dort ihren Platz und ziehen an einem Strang“, erklärt Michael Kneissler.
Was also könnte es für ein Commando-Mitglied Schöneres geben, als ganzjährig von Erinnerungen an die Heimspiele und all das dazugehörige Darumherum begleitet zu werden, mit Fotos aus der Cannstatter Kurve, der VfB-Fankurve in der Mercedes-Benz-Arena?
Auf den Kalenderblättern abgebildet sind darum Szenen aus diesem Wohnzimmer der Fans. Da gibt es Bilder mit großen Schwenkfahnen, die in der Kurve wehen. Oder von der Karawane Cannstatt, dem Zug von 10 000 Fans am Saisonauftakt im August 2015, die ganz in weiß gekleidet vom Bahnhof Bad Cannstatt ins Stadion einziehen. Oder von Choreografien. Das sind dann eigens zusammengestellte, sozusagen einstudierte Abläufe im Fanblock. Manchmal sind es Pappschilder, die auf ein Kommando hin hochgehalten werden und ein Wort, eine Aussage ergeben. Oder es sind riesige Fahnen, Fahnenmeere, Spruchbanner, die auf ein Stichwort hin zum Einsatz kommen.
Ein Mitglied des Vereins ist Fanfotograf, von ihm stammen die Fotos, die er dem Verein zur Verfügung stellt. Ein anderes Mitglied kümmert sich um die passende Anordnung von Text und Bild, um das Layout. So kommt alljährlich der Kalender zustande, der dieses Jahr für die freudige Überraschung der Vesperkirchenmitarbeitenden gesorgt hat. Ach ja – das Spiel hat der VfB übrigens mit 2:1 gegen den Hamburger SV gewonnen. Aber das ist in diesem Fall eigentlich nur Nebensache.


Autor/Autorin: Monika Johna