Vesperkirche ist ein Ort der Begegnung

Durch Aktionen und feste Angebote zur Begegnung wird dieser Aspekt noch gestärkt. Da kochen Gruppen für die Gäste der Vesperkirche oder ein Bankhaus schickt seine Auszubildenen, um ihnen andere Lebenswirklichkeiten jenseits von „Aktiva und Passiva“ nahe zu bringen. Einige dieser Aktionen stellen wir Ihnen hier vor.

Stricken für die Vesperkirche

© Monika Johna

Hermann Kollmar (links) und Sabine Eickhoff (rechts) freuen sich über die wärmende Spende von Beate Ulrich (links Mitte) und Christine Paul (rechts Mitte).

Ohne sie ginge gar nichts: Viele engagierte Hände sorgen dafür, dass die Vesperkirche für viele Menschen eine kurze Auszeit von ihrem anstrengenden Alltag sein kann. Da sind die rund 30 Helfenden, die tagtäglich Brote bestreichen, an der Essensausgabe helfen, Geschirr einsammeln oder zum Abschluss fegen und wischen. Und dann sind da noch die, die im Hintergrund für die Vesperkirche werkeln - Christine Paul und Beate Ulrich zum Beispiel.

Gleich zum Start der Vesperkirche sind Christine Paul und Beate Ulrich in die Vesperkirche gekommen, um ihre Spende an Diakonin Sabine Eickhoff und Diakon Hermann Kollmar zu übergeben. Ein Jahr lang haben die zwei Frauen hierfür rege die Finger bewegt. Immer wenn sich irgendwo die Gelegenheit bot. Jetzt haben die beiden Bankangestellten in ihrer Mittagspause 50 Socken, fünf Schals und fünf Mützen vorbeigebracht. Alle handgestrickt, abends vor dem Fernseher oder in der S-Bahn. „Die Leute sollen etwas Neues und Wärmendes haben und etwas, das extra für sie hergestellt wurde“, sagt Christine Paul. In der Hand hält sie etliche Socken in leuchtendem Blau, in Rot mit eingestricktem Muster, in schönen Naturtönen und bunt geringelt.
Zum Stricken eines Paares benötigt sie rund acht Stunden. „Da ist viel Zuwendung reingestrickt. Das ist etwas Besonderes“, stellte denn auch Sabine Eickhoff erfreut fest.
Vor zwei Jahren hat Christine Paul mit ihrer wärmenden Spendenaktion begonnen. Per Newsletter rief sie unter ihren Arbeitskolleginnen und -kollegen zur Wollspende auf. So kommt es, dass über die Hauspost immer mal wieder Pakete auf ihrem Schreibtisch landen. Kolleginnen und Kollegen geben Restwolle weiter oder spendieren neue Wollknäuel. Auch Mitstrickerinnen hat sie auf diese Art und Weise schon gefunden. Außerdem suchte sie für die Socken Paten, die unter dem Motto „Warme Füße und eine warme Mahlzeit“ Geld spenden. Zur Weihnachtszeit bastelte sie zusammen mit Beate Ulrich Papiersocken, um diese an den Weihnachtswunschbaum zu hängen. Kolleginnen und Kollegen, die keine Geschenke einkaufen gehen wollten, konnten so auch etwas Gutes tun und Geld für die Vesperkirche in die Socken stecken. Der Plan ging auf. Die Kolleginnen und Kollegen ließen sich nicht lange bitten und halfen gerne mit. 600 Euro sind auch in diesem Jahr zusammengekommen. Kein Grund für die beiden Frauen, die Hände in den Schoß zu legen. Die Stricknadeln klappern schon wieder; die ersten Socken sind bereits in Arbeit.



 
 

Socken und eine warme Mahlzeit

Beate Ulrich (links) und Christine Paul stricken für die Vesperkirche [Foto und Text: Monika Johna]

Das dritte Jahr schon strickt Christine Paul für die Vesperkirche und sorgt so bei den Vesperkirchengästen für warme Füße. Und damit nicht genug: die Bankangestellte hat ihr Engagement ziemlich schnell erweitert und im Kollegenkreis Socken und Spenden gesammelt.  

Zusammen mit ihrer Kollegin Beate Ulrich kam sie gleich in den ersten Tagen der Vesperkirche 2016  vorbei und überbrachte 50 Paar Socken und 600 Euro Geldspende. So viel Engagement sorgt natürlich für große Freude bei den Mitarbeitern und Gästen der Vesperkirche. "Ich habe mir überlegt, dass ich doch so etwas wie Patenschaften anbieten könnte, um Geld zu sammeln. Also habe ich meine Kollegen angesprochen und nach Paten für warme Füße und eine warme Mahlzeit gesucht. Das hat prima geklappt, meine Kollegen haben mich sehr gut unterstützt und sehr fleißig gespendet", erklärte Christine Paul. Zu jedem Paar Socken wurden zehn Euro dazugegeben. So kam es dann zu der stattlichen Geldsumme. 

Bereits als Schulkind hat Christine Paul das Stricken für sich entdeckt. Als Mutter hat sie dann die eigenen Kinder mit Gestricktem aller Art ausgestattet. Nachdem nun die Familie ausreichend "bestrickt" und versorgt war, machte sich Christine Paul auf die Suche nach weiteren Adressaten. Und stieß auf die Vesperkirche. Nachdem sie das erste Jahr noch alleine Wolle aller Art verarbeitete, wurde im zweiten Jahr dann Beate Ulrich mit dem Strick-Virus angesteckt. Dieses Mal haben Christine Paul und Beate Ulrich das ganze Jahr über gestrickt, selbst im Hochsommer. "Nur wenn es mehr als 35 Grad hat, machen wir Pause", sagt Beate Ulrich und lacht. Ansonsten wird überall gestrickt: In der S-Bahn, vor dem Fernseher - vielleicht ja auch in der Pause im Büro. Christine Paul jedenfalls hat immer ihre rote Tasche dabei, denn da ist - wie könnte es anders sein - ihr Strickzeug drin.

Musikalisch-kulinarisches Märchen mit Reibeisenstimme

Melo, Roland Baisch und "rahmenlos & frei" [Foto: Lichtgut – Max Kovalenko. Text: Christoph Schweizer]

150 Gäste kamen zu „Tischlein deck dich“. Nilgün Tasman und Ulrich Scholpp haben das musikalische Benefizdinner 2015 zum siebten Mal veranstaltet.


„Ich finde es wichtig, dass Bürger sich für Bürger einsetzen.“ So schlicht ist die Motivation, aus der heraus Ulrich Scholpp sich für die Stuttgarter Vesperkirche engagiert. Gemeinsam mit seiner Frau, der Autorin Nilgün Tasman, hat der Inhaber eines Grafikbüros auf 4. Februar zum siebten Mal zum Benefizdinner eingeladen. 150 Gäste sind der Einladung gefolgt.


Zu essen gab es Maultaschen. Zu hören gab es gleich vier Gänge. Als Einheizer trat die Vesperkirchenband „rahmenlos & frei“ an. Mit dem Schlager „rote Lippen soll man küssen“ brachten sie die altehrwürdige Leonhardskirche zum Beben. Anschließend eine Solo-Nummer von Roland Baisch, Stuttgarter – genauer: Korntaler Musik-Comedian-Urgestein und einer der Coaches der Vesperkirchenband. Sein Song brachte die Nöte des armen reichen „Gangstarappers vom Killesberg“ nahe. Der Vater Chef beim Daimler, die Mutter Lehrerin für Geschichte und Latein. Vom Killesberg gings nach Italien, mit Straßenmusiker Melo, Mitglied der Vesperkirchenband. Er gab mit seiner legendären Reibeisenstimme Paolo Contes „Azzurro“ zum Besten, in einer verschärften Interpretation. Nach dem Essen gab’s noch Musik vom „kleinen Orchester der Kulturen“ und Funk mit „Upfunkcoolo unplugged“.


Unterstützt wurde der Abend von der Paul Lechler-Stiftung, Ensinger Mineralwasser, dem Arbeitgeberverband Südwestmetall, dem Weingut Aldinger und der Stuttgarter „Babbelrunde“. Diakoniepfarrerin Karin Ott war krankheitshalber verhindert, von ihr wurde ein Grußwort verlesen. „Gemeinsam können wir die Welt verändern“, ließ sie den 150 überwiegend gut betuchten Gästen ausrichten. Bei „Tischlein deck dich“ 2015 kamen über 13.000 Euro an Spenden zusammen. Seit seinem Bestehen hat das Benefiz-Event damit in den rund 70.000 Euro Spenden für die Vesperkirche gesammelt.

Rotarier-Tag

Soziale Aktion – 6 von 38 Rotariern, die in der Vesperkirche mitarbeiteten /

Begegnung am Kirchentisch: Ben Kauffmann und Vesperkirchengast Michael Ullmann [Fotos und Text: Christoph Schweizer]

Ben Kauffmann ist beeindruckt. In seinem Alltag hat der Architekt wenig Kontakt mit mittellosen Menschen. Doch an diesem Sonntagnachmittag mischt sich das Mitglied des Rotary Clubs Stuttgart-Fernsehturm unter die Vesperkirchengäste.

„Ich habe heute erfahren, wie schnell es gehen kann in unserem Land, dass jemand sozial absteigt. Eine Unterschrift unter einen falschen Vertrag, ein Unfall, eine Krankheit, und die Abwärtsspirale kann starten.“

Und noch etwas hat ihn überrascht und ins Nachdenken gebracht: „Ich saß an einem Tisch mit lauter akademisch gebildeten Vesperkirchengästen. Mit einem Mann, der keine Zahn mehr im Mund hatte, habe ich mich über den modernen Komponisten Stockhausen unterhalten. Das hätte ich nicht erwartet.“

Der Rotary Club Stuttgart-Fernsehturm ist am 8. Februar mit 38 Helferinnen und Helfern in der Vesperkirche, Kauffmann ist einer von ihnen. Weil sie so zahlreich sind, hat er Gelegenheit, sich unter die Gäste zu mischen. „Heute ist unser Tag hier“, sagt Alexander Knipp vom Club-Vorstand. „Wir stellen die hauswirtschaftlichen Mitarbeiter, und wir bezahlen den Vesperkirchenbetrieb für diesen einen Tag.“ 6.500 Euro spenden sein Club und die Rotary-Stiftung Stuttgart.

Ein Mitglied des Clubs arbeitet schon seit Jahren in der Vesperkirche mit. „Er hat die Vesperkirche in unserem Club vorgestellt, daraufhin haben wir beschlossen, die Vesperkirche zu unterstützen und in ihr mitzuarbeiten.“ Auch von „Rotaract“, den jungen Rotariern, machen einige mit. Zwei arbeiten mehrere Tage als Essensfahrer. „Wir wollen die Begegnung der verschiedenen Milieus fördern“, erläutert Knipp.

Kaffee, Kuchen und Blasorchester

Die Stadtkapelle Plochingen heizt der Vesperkirche ein [Foto und Text: Christoph Schweizer]

Am Samstagnachmittag, 7. Februar 2015 gab es in der Stuttgarter Vesperkirche doppelten Genuss: Musik zur Kaffeezeit mit dem Musikverein Stadtkapelle Plochingen. Zur Feier des Tages gab es Kuchen umsonst.

Hans-Peter Haas spielt Tenorsaxofon in der Stadtkapelle Plochingen. Und der gebürtige Stuttgarter hat die Entstehung der Stuttgarter Vesperkirche seit ihren Anfängen verfolgt. „Vor ein paar Jahren kam mir der Gedanke, dass ein oder zwei Stunden Musik den Leuten in der Vesperkirche sicher gut tun.“ In der Stadtkapelle sei er sofort auf offene Ohren gestoßen. Und so gibt es 2015 bereits im dritten Jahr an einem Samstag der Vesperkirche „Musik zur Kaffeezeit“ mit dem Musikverein Stadtkapelle Plochingen.

Das 45-köpfige Ensemble heizte gut ein – beispielsweise mit einem Udo-Jürgens-Medley, das bewährte Gassenhauer wie „Aber bitte mit Sahne“ und „Griechischer Wein“ verband.  Dass die Stadtkapelle auch die ruhigen, symphonischen Klänge beherrscht, bewies sie unter anderem bei Carl Wittrocks Brassband-Klassiker „Lord Tullamore“.

Viele Vesperkirchengäste blieben am Samstagnachmittag ein bisschen länger in der Kirche, zu Kaffee, Kuchen und großem Blasorchester.

Killesberg-Gärtner verkaufen Dahlien für die Vesperkirche

Blumen binden für den guten Zweck: eine Mitarbeiterin der Stuttgarter Stadtgärtnerei [Foto und Text: Christoph Schweizer]

Stuttgart, 12. Oktober. Der Dahlienverkauf Anfang Oktober im Stuttgarter Höhenpark Killesberg hat eine lange Tradition. In diesem Jahr kommt der Verkaufserlös der Stuttgarter Vesperkirche zugute.


„Die Blumen strahlen, die Menschen strahlen auch“ – so beschreibt eine Besucherin die sonnige Szenerie an diesem Oktobersonntag inmitten der Dahlienbeete auf dem Stuttgarter Killesberg. 15 Mitarbeiter der Stuttgarter Stadtgärtnerei und eine Handvoll Freiwillige aus der Vesperkirchen-Mitarbeiterschar schneiden Dahlien und binden sie zu farbenfrohen Sträußen. Die Dahlien werden jetzt, am Saisonende, abgeerntet. Es sind nicht wenige: „Wir haben 7.000 Dahlienpflanzen auf dem Killesberg“, berichtet Stadtgärtner Eberhard Schnaufer. Es sei die zweitgrößte Dahlienausstellung im Ländle, nur die berühmte Blumeninsel Mainau bietet mehr.


Schnaufer und seine Kolleginnen und Kollegen machen den traditionellen Dahlienverkauf in ihrer Freizeit. „Wir machen das seit bald 40 Jahren. Anlass war am Anfang ein Spendenaufruf der Aktion Mensch. Inzwischen spenden wir den Erlös jedes Jahr an eine Stuttgarter soziale Einrichtung.“ Dass nun, wie zuletzt 2009, wieder die Stuttgarter Vesperkirche bedacht wird, freut die Diakoniepfarrerin Karin Ott. Denn die Vesperkirche, die seit zwanzig Jahren besteht, finanziert sich aus Spenden. „Wir sind immer wieder dankbar und überwältigt angesichts der großen Bereitschaft in der Stuttgarter Bürgerschaft, die Vesperkirche zu unterstützen“, sagt Karin Ott.

Stuttgarter Werbeagentur entwickelt Kuchen-Spende-App

Marc Stoffel, Geschäftsführer von Beaufort8, verteilt Kuchen in der Vesperkirche. [Quelle: Beaufort8]

Stuttgart, 04.03.2014. Die Stuttgarter Werbeagentur Beaufort 8 verbindet eine kreative Idee mit einer sozialen Aktion: Via einer App wird die „Windmühle“ zum mahlen gebracht und Mehl erzeugt. Aus dem gemahlenen Mehl wird, wie kann es anders sein, Kuchen gebacken. Die Beaufort 8 Mitarbeiter verteilen diesen Kuchen dann in der Leonhardskirche an Gäste der Vesperkirche. Das Projekt Vesperkirche findet vom 19. Januar bis zum 8. März in Stuttgart statt.


Zur Weihnachtszeit verbindet die Werbeagentur traditionell ihren kreativen Anspruch mit dem Wunsch etwas Gutes zu tun. Deshalb startete am 12.12.2013 die Aktion Pustekuchen, an der  man bis zum Start der Vesperkirche teilnehmen konnte. Mittelpunkt der Aktion war eine App, über die man virtuell ein Windrad zum Drehen bringen konnte, um so Mehl zu mahlen. Dieses virtuell generierte Mehl wird nun ganz real zu Kuchen weiter verarbeitet, der dann in der Vesperkirche an Bedürftige verteilt wird.


Vom Grafiker über den Texter bis hin zum Auszubildenden, jeweils zwei Mitarbeiter stehen jede Woche in der Kirche und verteilen „ihren“ Kuchen an die Besucher. „Beaufort 8 steht für starke Wirkung. Wir verbinden gerne zu Weihnachten unsere Ideen mit einer sozialen Aktion, die Menschen ganz konkret zu Gute kommt“, fasst Thomas Dannecker, Geschäftsführer von Beaufort 8, zusammen.


Zum Aktionsstart wurden Kunden und Freunde der Agentur aufgefordert, sich die App auf ihr Smartphone zu laden um dann mit etwas Pustekraft das Mühlenrad in Bewegung zu bringen. Die kleine Mühle in der App erzeugte dann online eine bestimmte Menge Mehl. Dieses Mehl bekam ein Bäcker, der nun jeden Freitag, bis zum Projektende, Kuchen für die Vesperkirche backt.

Sucuk und Kartoffelsalat zum „Tischlein deck’ Dich“

Nilgün Tasman deckt den Tisch [Foto: Schweizer]

Die deutsch-türkische Schriftstellerin und Theaterregisseurin Nilgün Tasman organisiert zusammen mit ihrem Freundeskreis den Charity-Event „Tischlein deck’ Dich“, das auch 2014 wieder Geld in die Kassen der Stuttgarter Vesperkirche spülte. Nilgün Tasman versteht ihr Projekt auch als Brückenschlag zwischen den Kulturen. Susanne Müller-Baji hat mir ihr gesprochen.

Wie sind Sie denn auf die Vesperkirche aufmerksam geworden?


Nilgün Tasman: „Das war reiner Zufall. Ich hatte im Züblin-Parkhaus geparkt und bin einer türkischen Mutter und ihrem Sohn bis zur Leonhardskirche gefolgt: Sie hatten auf Türkisch über die Vesperkirche gesprochen und ich bin neugierig geworden. Ich war begeistert und wollte auch was machen. Allerdings bin ich jetzt nicht unbedingt der Typ, der Butterbrote schmiert; ich bringe lieber die Kohle ran. Meine Freundinnen helfen tatkräftig mit, machen türkischen Kartoffelsalat, mein Mann hat eine Werbeagentur und bewirbt die Veranstaltung. „Tischlein deck’ Dich“ hat in fünf Jahren immerhin 46.000 Euro an Spenden eingebracht.“

Chapeau! Wie hat sich die Veranstaltung über die Jahre verändert?


Nilgün Tasman: „Zuerst waren wir im Plenum im Landtag, aber das hat sich nicht richtig angefühlt. Denn das Ziel war ja, die Menschen zusammenzuführen und nicht so ein typisches Charity-Event zu veranstalten. Deshalb machen wir es jetzt direkt in der Vesperkirche. Der Eintritt an dem Abend kostet zwar 35 Euro – aber wie es im Motto der Vesperkirche heißt: ‚Es ist genug für alle da!’ Wer sich das nicht leisten kann, gibt eben das, was von Herzen kommt und was finanziell nicht belastet. Letztes Jahr waren auch viele von den Obachlosen da. Obwohl ich es nicht wollte, hat es sich einer von ihnen nicht nehmen lassen, zwei Euro in die Kasse zu schmeißen.“

Und es gibt Sucuk und türkischen Kartoffelsalat?


Nilgün Tasman: Ja, das sollte für die deutschen Gäste einerseits etwas Besonderes sein, etwas, das man nicht jeden Tag hat. Und andererseits sollte es den muslimischen Mitbürgern die Scheu nehmen, in eine christliche Kirche zu gehen und dort zum Beispiel etwas zu essen zu bekommen. Ich verstehe „Tischlein deck’ Dich“ auch als Möglichkeit, die türkischen Mitbürger über die Vesperkirche zu informieren.“

Wie hat die Vesperkirche ihre Wahrnehmung verändert?


Nilgün Tasman: Mir fällt vor allem auf, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Als ich mich damals dafür entschieden habe, in Deutschland zu leben, geschah das auch deshalb, weil es hier keine offenkundige Armut wie in der Türkei gab. Es macht mich traurig, dass es hier nun auch so ist. Aber ich muss auch ganz deutlich sagen: Ich kenne kein spendableres Volk als die Deutschen. In der Türkei wird an den Feiertagen viel gespendet, um das Opferfest etwa. Aber hier in Deutschland, da gibt es ganz wunderbare Dinge, da bringen sich Menschen sehr ein für eine Sache. Wie zum Beispiel in der Vesperkirche. Dass es zum Beispiel sogar Friseure gibt, die kostenlose Haarschnitte machen, das finde ich toll“

Letzte Frage: Wie unterscheidet sich eigentlich der türkische vom schwäbischen Kartoffelsalat?


Nilgün Tasman: „Es ist nicht so schlonzig. Es kommt außerdem auch Zitronensaft rein, er schmeckt ein bisschen frischer... Probieren Sie es doch am besten selbst!“

„Tischlein deck’ Dich“ wird gesponsert von der Paul Lechler Stiftung und vom Türkischen Generalkonsulat, von Südwestmetall, Ensinger Mineralwasser und Beck Farbgestaltung.

Entertainer Roland Baisch: Vom Motivationscoach zum Fan

Roland Baisch [Pressefoto]

Seit 2011 ist das Chor- und Bandprojekt „rahmenlos & frei“ nicht mehr aus dem Programm der Stuttgarter Vesperkirche wegzudenken: Zirka 15 Gäste musizieren dann gemeinsam mit professionellen Künstlern. Mitglied der ersten Stunde ist Entertainer und Comedian Roland Baisch, der gerade mit dem baden-württembergischen Kleinkunstpreis ausgezeichnet wurde.


Das Repertoire von rahmenlos & frei reicht von Evergreens wie den „Caprifischern“ bis zu „I Am Sailing“ von Rod Stewart – mit durchschlagendem Erfolg: Die Formation wurde bereits mit dem Stuttgarter Bürgerpreis ausgezeichnet, ging auf Bildungsreise nach Berlin und trat im vergangenen Jahr bei den zentralen Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit auf der Königstraße auf.

 

Wie kam es zu Roland Baischs Engagement für das Chor-und Bandprojekt der Vesperkirche? Susanne Müller-Baji hat mit ihm gesprochen.

Wie sind Sie zu „rahmenlos & frei“ gekommen?


Roland Baisch: „Das war eher Zufall: Ich erhielt einen Anruf von einem Kollegen, ob ich bei einem solchen Projekt mitmachen wollte. Der Betreffende ist selbst  aber nie erschienen – und ich bin dabeigeblieben. Klassisch hängen geblieben, sozusagen.“

In einem früheren Interview haben Sie einmal gesagt: „Wenn ich auf die Bühne gehe, gebe ich den Verstand ab“. Ist der Schritt von der „Rampensau“ zum Bandmitglied da nicht schwierig?


Roland Baisch: „Damit meinte ich eher, dass man auf der Bühne Dinge tut, die man im Privatleben nie tun würde. Aber, nein, das bereitet mir keine Probleme: Ich habe ja schon in vielen Bands mitgespielt und tue das noch: Da blendet man sich sein, wird Teil des Ganzen. Zudem habe ich mich zu Beginn auch eher als Motivationscoach verstanden, der die Leute motiviert. Ich mache einfach meinen Teil. Und wenn einer stimmlich an dem Tag nicht so ganz fit ist, dann stelle ich mich dahinter und singe ihm ins Ohr, damit er den Ton besser hält.“

Was hat sie denn bei „rahmenlos & frei“ am meisten überrascht?

 

Roland Baisch: „Die Pünktlichkeit der Musiker. Damit hätte ich nicht damit gerechnet, das sind ja auch Menschen, die schon lange nicht mehr in festen Strukturen leben. Aber alle erscheinen immer rechtzeitig zu den Proben; und wenn einer mal nicht kann, lässt er sich entschuldigen. Davor habe ich großen Respekt.“

Ist die Zusammenarbeit sonst so, wie Sie sich das vorgestellt haben?


Roland Baisch: „Die Arbeit mit „rahmenlos & frei“ war für mich zunächst wie ein Blick in eine fremde Welt. Zuerst fremdelt man, dann kommt man ins Gespräch – und es hat ja wirklich jeder seine Geschichte. Mit unserem Schlagzeuger Mac, der vor kurzem leider gestorben ist, hat sich eine Freundschaft entwickelt. Der war ja auch als Streetworker unterwegs und hat mich mal mitgenommen; hat mir erzählt, wie das ist, Aids zu haben, wie das ist, wenn einer an einer Überdosis Heroin stirbt. Und über ihn hatte ich dann auch ein Jahr lang eine Patenschaft für die Drogentoten in Stuttgart.“

Das heißt, ihr Engagement geht über „rahmenlos & frei“ hinaus?

 

Roland Baisch: „Soweit es mir zeitlich möglich ist: Ich bin keiner, der sich nur das Repräsentationsmäntelchen umhängt. Ich will auch was über die Leute und ihre Schicksale erfahren.“

Hat Ihr Engagement für die Vesperkirche Sie oder Ihr Konsumverhalten verändert?


Roland Baisch: „Ich war nie jemand, der schnell Geld rausgehauen hat. Und mein Auto zum Beispiel habe ich auch nur, weil ich viel unterwegs sein muss. Aber, ja, Sie haben schon Recht: Als ich gestern Frühstücksbrezeln für die Familie geholt habe und meine vier Euro dafür hingelegt habe, da kam ich schon ins Nachdenken: Denn, wie hoch ist der Hartz-IV-Satz auf den Tag runtergerechnet? 4,17 Euro? Und was die meisten gerne ausblenden: Es kann ja wirklich jeden von uns treffen, es sind nur vier bis fünf Schritte bis in die Abwärtsspirale“

Sie haben vorher gesagt, Sie hätten sich bei „rahmenlos & frei“ zunächst als Motivationscoach verstanden. Was sind Sie heute?

 

Roland Baisch: „Ganz klar: Ein bekennender Fan!“

„Wollige“ Wärme

"Wollige" Wärme: Christine Paul (r.) und Sabine Seither haben für die Vesperkirche gestrickt und Geld gesammelt. [Foto und Text: Susanne Müller-Baji]

Christine Pauls und Sabine Seithers pfiffige Idee bringt 430 Euro für die Vesperkirche ein

Manche Ideen sorgen einfach für wohlige und wollige Wärme: Christine Paul strickt für ihr Leben gern, jetzt hat sie mit ihrer Leidenschaft Spenden für die Stuttgarter Vesperkirche gesammelt: „Warme Füße und eine warme Mahlzeit“ nannte Sie ihre private Spendenaktion. „Ich stricke eigentlich immer, und am allerliebsten Socken!“ erzählt sie. Doch irgendwann waren alle Familienmitglieder sowie der Freundeskreis versorgt und Christine Paul hatte eine buchstäblich bestrickende Idee: Sie verkaufte die Socken symbolisch im Kollegenkreis: Zehn Euro kostete das Paar – und wer wollte, konnte natürlich auch noch mehr spenden. Die erzielte Summe und die Socken sollte dann den Bedürftigen der Vesperkirche zugute kommen.

Eine tolle Sache – fand auch Sabine Seither, die wie Christine Paul bei einer großen Bank arbeitet und leidenschaftlich gerne Schals und Mützen häkelt. Sie packte zur warmen Mahlzeit und den warmen Füßen noch mehr Strickaccessoires in poppigen Farben dazu. Jetzt kamen die beiden Frauen in die Vesperkirche und brachten 35 Paar Socken, 430 Euro und viel Kuscheliges für Hals und Kopf mit. Und obwohl sie sich erst über die Spendenaktion kennen gelernt haben, wollen sie auch für die Saison 2015 wieder die Nadeln schwingen und sammeln bereits wieder Wollreste. Herzlichen Dank für diese wunderbare wollig-warme Idee!

Heute mal die Haare schön...

Zuwendung und schöne Haare [Test und Foto: Susanne Müller-Baji]

In der Vesperkirche erhalten Bedürftige auch einen neuen Haarschnitt

Es mutet schon merkwürdig an: Buntglasfenster, Kruzifix, Friseurstuhl.... Der Chor einer Kirche ist nicht unbedingt ein Ort, den man wegen eines neuen Haarschnitts aufsuchen würde. Und doch – an mehreren Montagen der Vesperkirchensaison 2014 sorgt Alexander Hauser wieder dafür, dass auch Bedürftige wieder mit neuer Frisur in ihren Alltag zurückkehren können. So wie Alfons, der „eigentlich nur während der Vesperkirche“ zum Friseur geht. Ein anderer Gast witzelt gut gelaunt: „Ich lasse halt nur Euch an meine Haare!“ Einzige Bedingung: Mit frisch gewaschenen Haaren in die Leonhardskirche kommen – und eine der Wartemarken ergattern, denn der tolle Service ist meist schnell ausgebucht.

So geht es nun schon einige Jahre: Montags bleibt der Salon von Alexander Hauser und Chris Lehmann in der Sophienstraße geschlossen, und wann immer möglich helfen die Friseure dann denen, die sich einen Friseurbesuch nicht leisten können. So ein neuer Haarschnitt sieht schließlich nicht nur gut aus; er tut auch der Seele und dem Selbstbewusstsein gut. „Die Leute genießen aber auch die Zuwendung“, hat Alexander Hauser bemerkt: „Dass da einer ist, der sich mal ganz für einen Zeit nimmt.

Hauser und Lehmann sind nur zwei der Ehrenamtlichen, die ihre Freizeit und ihr Können der Vesperkirche zur Verfügung stellen. Daneben gibt es ein siebenköpfiges Ärzteteam und in diesem Jahr neu auch eine Zahnärztin. Aber auch Hilfe für die mitgebrachten Hunde. Menschen, die die Kinder während der Vesperkirche betreuen, Socken stricken, die beim Aufräumen, beim Küchendienst, an der Geschirrrückgabe helfen. Nicht zu vergessen die Künstler von „Kultur in der Vesperkirche“ und noch viele, viele mehr: Über 800 ehrenamtliche Helfer sorgen 2014 dafür, dass die siebenwöchige Vesperkirche zustande kommen kann. Herzlichen Dank dafür!
 
Und Alfons? Der freut sich so sehr über seinen neuen Haarschnitt, dass er sogar erstmal seine Mütze weglässt.

Karlsgymnasium: Schüler "erlaufen" über 11.000 für die Vesperkirche!

[Foto und Text: Monika Johna]

Was eine Gruppe engagierter Schüler zusammen mit ihrer Schule auf die Beine stellen kann, das haben eindrucksvoll die angehenden Abiturienten des Karls-Gymnasiums gezeigt. Sage und schreibe 11 285 Euro an Spendengeld für die Vesperkirche haben sie diesen Sommer gesammelt. „Diese große Summe macht wirklich deutlich, welcher große Einsatz hier dahintersteckt. Sie haben meinen allergrößten Respekt“, sagte Diakoniepfarrerin Karin Ott, als  die vier SMV-Mitglieder Yannis Beck, Benedikt Suska, Marcel Schliebs und Alexander  Schulz zusammen mit ihren Verbindungslehrern Doreen Herms-Abodiji und Tobias Uhl und Rektor Dieter Elsässer zur Scheckübergabe ins Diakoniepfarramt kamen.


Im Sommer konnten die Schüler des Karlsgymnasiums anlässlich der Projekttage aus sechs verschiedenen Projekten auswählen, welches sie unterstützen wollten. Die Wahl fiel auf die Vesperkirche. Die SMV organisierte daraufhin einen Spendenlauf, der am Nachmittag in ein Schulfest mit Siegerehrung mündete. Für diejenigen, die am meisten gelaufen waren und für diejenigen, die am meisten Spenden zusammenbrachten, gab es am Ende Medaillen. Der Lauf wurde ein großer Erfolg. „Viele Schüler sind über sich hinausgewachsen und haben alles gegeben“, erzählte Schulsprecher Alexander Schulz. Früh morgens ging es in den Killesberg-Park, hier wurde schließlich gelaufen, was das Zeug hielt. Eine Runde war 1,5 Kilometer lang, der Schnitt lag bei sechs Runden, der Rekord bei zwölf. Per Conrad, ein Fünftklässler, war besonders eifrig bei der Sache und entwickelte  solch ein Engagement, dass er allein am Ende rund 700 Euro erlief. Karin Ott hatte schon ein konkretes Projekt im Auge, in das die eindrucksvolle Spende fließen könnte: „Wir müssen dieses Jahr sämtliche unserer Stühle austauschen, das ist nun in etwa der Betrag, den wir brauchen.“


„Dieser tolle Einsatz kam wirklich aus unseren Schülern hervor“, betonte Dieter Elsässer. „Nicht nur reden, sondern tun“ – den Schulleiter freute es besonders, dass seine Schüler die humanistischen Werte der Schule so vorbildlich in die Praxis umgesetzt haben. „Es hat uns viel Spaß gemacht, den Lauf zu organisieren“, versicherten die vier Zwölftklässler. Karin Ott betonte, dass ein solcher Spendenbetrag für die Menschen der Vesperkirche vor allem ein Ausdruck gelebter Solidarität sei. „Es gibt in dieser Stadt ganz viele Menschen, die denken an die Vesperkirche“, freute sie sich.

Benefizkonzert der Stuttgarter Musikschule: Geizhals Scrooge beschert der Vesperkirche 1.482 Euro

Projektchor der Musikschule [Foto: Musikschule Stuttgart]

Eine voll besetzte Leonhardskirche, begeisterte Ausführende, beglückte Konzertbesucherinnen und –besucher und 1.482 Euro Spende – das sind die Eckdaten des Benefizkonzertes der Musikschule Stuttgart vom 13. Dezember in der Stuttgarter Leonhardskirche.


Auf dem Programm stand Charles Dickens Weihnachtsgeschichte „A cristmas Carol“, umrahmt von klassischer und moderner weihnachtlicher Musik. 1843 verfasste Charles Dickens seine Weihnachtsgeschichte in der Absicht, die Aufmerksamkeit auf die Not der Armen der englischen Gesellschaft im viktorianischen Zeitalter zu lenken. Der herzlose Geschäftemacher Ebenezer Scrooge wandelt sich in „A christmas Carol“ zu einem gütigen, die Not der Menschen lindernden alten Herrn. Dieser Stoff ist geradezu ideal für das Benefizkonzert zugunsten der Vesperkirche, fand Wolfgang Albrecht. Der Geigenlehrer und Bereichsleiter der Musikschule hat das Benefizkonzert organisiert. „Auch in unserer Stadt gibt es viele Arme, denen geholfen werden muss. Und das geschieht hier in der Vesperkirche“, sagte Albrecht bei seiner Begrüßung.

Den Dickens-Text interpretierte die Musiktheaterklasse der Stuttgarter Musikschule unter der Leitung von Andrea Haupt. Klassische und moderne Weihnachtsmusik  wurde in wechselnden Besetzungen dargeboten. Beim Musikschul-Projektchor sangen Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam. Außerdem musizierten Vokalensembles der Stuttgarter Musikschule, der Jekiss Chor der Kirchhaldenschule Botnang in Kooperation mit der Stuttgarter Musikschule, Solisten aus dem Fachbereich Gesang der Stuttgarter Musikschule und das Streichorchester der Stuttgarter Musikschule. Insgesamt wirkten rund 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit. Zum Konzertende wurde auch das 300-köpfige Publikum zum Chor und sang aus vollem Halse gemeinsam mit den Chören und dem Orchester: „Fröhliche Weihnacht überall.“

Jubilieren für die Vesperkirche

Sängerinnen des Daimler-Chores beim Benefizkonzert [Foto und Bericht: Monika Johna]

Sängerinnen des Daimler-Chores beim Benefizkonzert [Foto und Bericht: Monika Johna]

Der Daimler-Chor mit seinen rund 70 aktiven Mitgliedern gibt regelmäßig Konzerte in Stuttgart und auf internationalem Parkett. Eine seiner Maximen dabei ist, dass die Einnahmen nicht dem Chor zugute kommen, sondern vielmehr stets ein karitatives Projekt mit den Erlösen bedacht wird. Zum Adventskonzert 2013 entschieden sich die Sänger für die Vesperkirche.

 

Am ersten Adventswochenende lud der Chor ein in die evangelische Wallmerkirche in Untertürkheim, um mit der „Messe brève“ von Charles Gounod und vielen weihnachtlichen Liedern von Mendelssohn-Bartholdy über Maierhöfer, Silcher und Händel  auf die bevorstehende Zeit einzustimmen. Chorleiter Hartmut Volz sorgte für ein abwechslungsreiches Programm, mit Hilfe dessen der Chor sein ganzes Können präsentieren konnte. Bei der Zugabe stimmten alle freudig ins „Gloria in excelsis Deo“ ein.

 

„Es freut mich, dass Sie hier in unserer Kirche für einen guten Zweck wie die Vesperkirche singen“, erklärte der Pfarrer der Wallmer-Kirche Martin Hug. Hermann Berner hatte das Konzert in der Wallmerkirche organisiert, und er stellte sich höchstpersönlich zusammen mit seiner Frau am Ausgang hin, um im Körbchen die Spenden der Konzertbesucher einzusammeln. Es kam die stattliche Summe von 2 120,30 Euro zusammen. „Der Chor freut sich sehr darüber“, betonte Chormitglied Hermann Berner im Anschluss.

Vesperkirchenband "rahmenlos & frei" auf Berlinfahrt

Besonderes Chortreffen in Berlin [Foto: Martin Kirchner]

Berlin, 11. April 2013. Christina strahlt. Strahlt und singt aus vollem Herzen. Eigentlich sollte sie ja noch im Krankenhaus liegen und ihre Entzündung auskurieren. „Aber ich hab mich selbst entlassen“, sagt sie und grinst, „Ich wollte unbedingt mit nach Berlin.“

Da ist sie jetzt. Genau gesagt im Gemeindesaal der Zwölf-Apostel-Gemeinde in Berlin Schöneberg. Dort singt sie, zusammen mit den anderen von „rahmenlos & frei“, dem Chor der Stuttgarter Vesperkirche – und mit etwa 40 Berlinern vom Straßenchor. Zu ihm gehören ehemalige Straßenkids und Drogenabhängige, Obdachlose wie Christina und Menschen, die einfach gerne ihre Stimme ausprobieren. Die Biographien der Stuttgarter und der Berliner Sänger ähneln sich.

Die Stuttgarter Pfarrerin Karin Ott hat den Chor und die Band der Vesperkirche als Kulturprojekt gemeinsam mit Kulturmanager Ralf Püpcke im Januar 2010 initiiert. Püpcke, der den Chor „Mein Herzensprojekt“ nennt, kam selbstverständlich mit nach Berlin, ebenso wie Pfarrerin Ott. „Egal, was sie erlebt haben – die Leute, die hier mitmachen, sind keine Opfer, sondern tolle, einzigartige Persönlichkeiten“,  betont Karin Ott.

Jetzt machen sie also zusammen Musik, die Schwaben und die Berliner. Die Idee der Chorleiter, zuerst könne ja der Stuttgarter Chor singen, dann der Berliner, wird gleich von den Sängern verworfen. Lieber gleich alle zusammen! Es klappt. Auch wenn das Repertoire unterschiedlich ist – eher klassisch bei den Berlinern, mehr Pop-Rock-lastig bei den Stuttgartern – es passt. Und mischt sich: Cookie, das Ex-Punkmädchen aus Berlin, steht neben Melo, dem Straßenmusiker aus Stuttgart. Morgen wollen die beiden irgendwo in Berlin Musik auf der Straße machen. Die Berliner seien ganz schön wild, meint Melo mit Blick auf die Straßenkids aus dem Chor, die in der Pause Pogo tanzen. „Wir sind disziplinierter“, meint er und klingt ein bisschen stolz.

Der Vesperkirchenchor ist auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Ute Vogt (SPD) nach Berlin gereist. Bundestagsabgeordnete dürfen einmal im Jahr eine Gruppe aus ihrem Wahlkreis in die Bundeshauptstadt einladen. „Ute Vogt wollte bewusst einer Gruppe die Reise ermöglichen, die sich so etwas sonst nicht leisten kann“, sagt Karin Ott.

Christinas Augen leuchten nach anderthalb Stunden Singen noch mehr als vorher – und nicht nur ihre. Die Stuttgarter schwärmen von den tollen Stimmen der Berliner, besonders von Cookie und Andreas, einem eindrucksvollen Bass. Christina: „Die versprühen so viel Freude, die machen das mit Herzblut – genau wie wir.“

Kulturmanager Püpcke überlegt inzwischen zusammen mit seinem Berliner Kollegen Degroej, wie man die beiden Chöre nochmal zusammenbringen könnte: „Ein Konzert mit den Berlinern in der Stuttgarter Leonhardskirche – das wär’s.“ Die Berliner kämen gerne.

Christiane Bertelsmann (Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Evang. Gemeindeblatts für Württemberg)

Waschmittel-Geschenk für Besucher der Vesperkirche

Waschmittel-Übergabe durch die Malteser [Foto: Monika Johna]

Stuttgart, 19. Januar 2013. Die Malteser haben ja schon viel gemacht und waren schon auf vielen Gebieten im Einsatz, aber das war jetzt auch neu für sie gewesen. Am vergangenen Samstag rollten die ehrenamtlichen Helfer mit ihrem 7,5-Tonner auf den Leonhardsplatz. An Bord hatten sie drei Paletten mit insgesamt 500 Flaschen Flüssigwaschmittel.

 

Diese hatte der Hilfsdienst von einer Waschmittelfirma überlassen bekommen, mit der Auflage, sie dorthin weiterzugeben, wo es  wirklich gebraucht wird. „Das haben wir auf jeden Fall geschafft“, sagte der stellvertretende Malteser-Stadtbeauftragte Philipp Marquardt. Nachdem sie das Angebot der Firma erreicht hatte, wandten sich die Malteser an  Karin Ott. „Wir haben so etwas auch noch nie gemacht, aber wir haben dann beschlossen, dass wir es auf einen Versuch ankommen lassen“, erklärte die Diakoniepfarrerin.


Die Aktion stieß auf großes Interesse. Kaum war der Lastwagen vor dem Tor der Vesperkirche eingetroffen, kamen auch schon die ersten Besucher, um sich eine der 3-Liter-Flaschen abzuholen. Und dann ging es erst einmal Schlag auf Schlag. Die sechs Malteser hatten alle Hände voll zu tun, um den ersten großen Andrang zu bewältigen. „Pro Person gab es ein Mal Waschmittel“, erklärte Philipp Marquardt.  So manch ein Empfänger bedankte sich sehr erfreut bei den zwei Frauen und drei Männern, die ihnen mit einem freundlichen Lächeln die Flaschen überreichten. „Das ist toll, das kann ich gut gebrauchen, ich habe jede Woche sehr viel Wäsche“, erzählte eine Mutter von vier Kindern. Älteren Menschen verstauten die Malteser die Flaschen fürsorglich in ihren Gehwagen. Bereits nach einer dreiviertel Stunde, in der die Flaschen reibungslos von einer Hand in die andere wanderten, war der Lastwagen leer.


Ihr Fitnessprogramm hatten die sechs Helfer an diesem Tag auf alle Fälle absolviert. Bereits am Vormittag stemmten sie in ihrer Zentrale in der Ulmer Straße die mit Waschmittel gefüllten Kartons und räumten diese einzeln von den Paletten im Lager in den LKW. Ihre Bilanz am Ende klang rundum zufrieden: „Wir haben das wirklich gerne gemacht, und es kam absolut an die richtige Stelle.“

(Autorin: Monika Johna)

Süße Lieferung von der Sonnenbergschule Aidlingen

Süßer Gruß aus Aidlingen / Foto: Schweizer

Seit fünf Jahren kommt Dieter Ruf mit einer Schülergruppe in die Stuttgarter Vesperkirche. „Wir machen das im Rahmen des Projektes über Soziales Lernen“, berichtet der Schulleiter und Religionslehrer der Werkrealschule Sonnenbergschule.

 

„Es geht uns um Sensibilisierung. Die Schüler sollen mitdenken, mitfühlen und handeln. Sie bekommen hier die Chance, sich mit Menschen am Rand der Gesellschaft auseinanderzusetzen.“ Handeln bedeutet in diesem Fall, dass die 32 Schülerinnen und Schüler – oder ihre Mütter – Kuchen und Gebäck für die Vesperkirche gebacken haben. Diese Bereicherung des Speiseplans wurde von vielen Vesperkirchgästen mit Applaus angenommen.

„Ich find’s gut, dass wir hier sind“, sagt Schüler Marlin Reichert. Er freut sich, „Armen Menschen, Behinderten, Leuten mit Aids helfen zu können.“ Sein Eindruck nach dem ersten Besuch der Stuttgarter Vesperkirche: „Hier sind alle sehr freundlich. Die Menschen haben eine tolle Ausstrahlung“. Mit seinem Nebensitzer hat er rasch ein gemeinsames Thema gefunden: „Wir haben über Fußball geredet.“

Hofapotheke: 3.016 Euro für die Vesperkirche

Apotheker Jan Tomsky übergibt den Spendenscheck an Diakoniepfarrerin Karin Ott / Foto: Schweizer

Ein weites Herz für karitative Zwecke bewiesen im vergangenen Jahr die Kundinnen und Kunden der Stuttgarter Hofapotheke am Schillerplatz. Bei einer Spendensammlung zugunsten der Stuttgarter Vesperkirche kamen 3.016 Euro zusammen. „Die Vesperkirche ist uns schon lange bekannt. Sie ist für uns ein Armutsprojekt, das Sinn macht, und sie liegt in unserer Nachbarschaft in der Innenstadt“, sagte Apotheker Jan Tomsky bei der Scheckübergabe am 2. Februar.